Lieber Leser,

Sarah Hallo, mein Name ist Sarah Röhrs.
Ich bin in einer Zwölf Stämme-Gemeinschaft geboren und aufgewachsen. Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich auf unserem Gutshof
im bayerischen Klosterzimmern. Unser Hof ist außerordentlich schön mit vielen Feldern und Tieren, einem Fluss, einer Spielwiese und einer Festhalle, in der wir feierten und tanzten (und sogar im Winter Spiele machten). Wenn ich mich jetzt daran erinnere, vermisse ich das alles sehr – es war wie ein kleines Paradies!

Ich wurde natürlich zuhause unterrichtet und nachmittags durften wir Kinder immer irgendwo mitmachen – auf dem Hof, im Nähzimmer, in unserem kleinen Cafe oder im Hofladen. Wir malten, spielten Musik, sangen, tanzen, schrieben Theaterstücke und studierten sie ein. Wir wurden richtig gebraucht und manchmal hatten wir Nähprojekte in unserem kleinen Schulhaus, wo wir für den Weihnachtsmarkt nähten oder wir halfen bei der Ernte mit, legten ein Blumenbeet oder einen Kräutergarten an … oder wir spielten Volleyball, Fangen, schaukelten usw. Wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen und gleichzeitig kümmerten wir uns um die wichtigen Dinge unseres gemeinsamen Lebens – und wir wurden dabei zu dicken Freunden! Ich hatte immer das befriedigende Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Wir hatten eigentlich ständig Gäste bei uns zu Besuch. Die Gäste arbeiten normalerweise gerne auf unserem Hof mit, spielen mit uns Volleyball und sie waren erstaunt über die kreativen, nützlichen Dinge, die wir in der Schule machten. Manche Gäste fragten sogar, ob sie ihre Kinder in unsere Schule schicken dürften – von “Misshandlung” war nie die Rede!

Zu unseren alljährlichen Hoffesten besuchten Tausende von Menschen unseren Hof, freuten sich über unser Essen, unser Kindertheater, die Volksmusik und den gemeinsamen Tanz. Unsere Gäste sahen, dass wir glückliche, zufriedene Kinder waren, die einen Sinn im Leben hatten.

Ich wurde auf ganz besondere Art und Weise erzogen… die Art und Weise, wie Gott es Abraham geboten hat, seinen Haushalt nach ihm in den Wegen der Gerechtigkeit zu führen.

Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat. (1.Mose 18,19)

Yehezekels 015Meine Eltern haben mir und meinen Geschwistern (Wir sind zu sechst – ein ganz schön quirliger Haufen…) ihre Herzen zugewandt. Ihre Liebe und Zuwendung uns gegenüber zeigte sich an ihrem Interesse und ihrer Fürsorge für unsere Bedürfnisse, sowohl praktisch als auch geistig und emotional. Sie erzogen mich dazu, Gut und Böse zu unterscheiden – und darüber hinaus, wie man seine Mitmenschen liebt und respektiert. Ich wurde dazu erzogen, Gott und meinen Nächsten von ganzem Herzen zu lieben und Seine Gebote zu halten. Ich wurde gelobt, wenn ich Gutes tat und korrigiert oder diszipliniert, wenn ich Böses getan hatte – Dinge, die mir ein schlechtes Gewissen geben würden.

Meine Kindheit zeichnete sich dadurch aus, dass ich frei von Schuld, Zorn und ohne Spannung zwischen uns Kindern und unseren Eltern aufgewachsen bin. Die Atmosphäre in meiner Familie war normalerweise friedlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich mit Schuldgefühlen, Reue oder einem schlechten Gewissen lange leben musste. Ich habe mich immer geliebt gefühlt – von meinen Eltern, meinen Lehrern und all meinen Freunden in der Gemeinschaft. Dort gibt es Regeln und Richtlinien für unser gemeinsames Leben, die sicherstellen, dass Ordnung und Respekt herrschen. In diesen Grenzen fühlte ich mich sehr geborgen.

Nur wenn ich respektlos oder ungehorsam war, brauchte ich einen Anstoß (Disziplin), um wieder auf den rechten Weg zu kommen. Ich denke, dass jeder das schreckliche Gefühl von Schuld oder Trennung nachvollziehen kann – die innere Gewissheit, etwas Unrechtes getan zu haben. Man fühlt sich so schlecht und wünscht sich nur, dass man es so schnell wie möglich wiedergutmachen kann. Wenn es notwendig war, haben meine Eltern mich diszipliniert und mir damit geholfen so zu sein, wie ich wirklich sein will, nämlich freundlich, respektvoll und fürsorglich. Ich konnte mich für mein Fehlverhalten entschuldigen und mir wurde gleich vergeben – das Unrecht war vergeben und vergessen und die Herz-zu-Herz-Beziehung war wiederhergestellt.

Ich habe nie erlebt, dass meine Eltern ärgerlich oder frustriert waren oder mir ihre Zuneigung vorenthalten hätten.

Wenn man Situationen sofort anspricht und sie gleich regelt, wird keine große Sache daraus. Es dauerte nur ein paar Minuten, ein Fehlverhalten abzuklären und nach der Disziplin wurde ich immer in den Arm genommen und erhielt Zuspruch. Tut die Disziplin weh? Ja, es tut einen kurzen Moment weh. Aber die positiven Langzeitwirkungen überwiegen den Moment des Schmerzes bei Weitem. Durch diese Disziplin habe ich gelernt, wie die Realität des Lebens aussieht, nämlich dass ich für meine Taten verantwortlich bin und dass es nicht egal ist, was ich tue. Ich habe gelernt, wie ich tiefe und bedeutungsvolle Beziehungen mit meinen Mitmenschen aufbauen kann, sowohl mit denen, die mit mir in der Gemeinschaft leben, als auch mit Menschen außerhalb der Gemeinschaft.

Meine Eltern hatten eine Absicht für mich und wollten, dass ich glücklich, respektvoll, geborgen und fürsorglich aufwachse. Ich bin ihnen dafür äußerst dankbar. Mir blieben dadurch viele der Probleme, die die heutige Jugend plagen, erspart und ich durfte jungfräulich, rein und frei aufwachsen. Durch die Disziplin habe ich Selbstkontrolle und Respekt für andere gelernt. Ich bin mit Grenzen aufgewachsen und habe gelernt, dass es Konsequenzen hat, wenn man diese überschreitet. Ich glaube, dass man nur so Charakter und Werte vermittelt bekommen kann. SO will ich auch meine Kinder erziehen. Diese Erziehung basiert auf dem Wort Gottes und das funktioniert (Die Menschheitsgeschichte belegt das.). Kinder sind wie ein Garten: Wenn man sich nicht darum kümmert und das Unkraut nicht ausreißt, solange es klein ist, wird es alles Gute überwuchern.

Ungelöste Konflikte zwischen Eltern und Kindern stauen sich auf, bis einer durchdreht und im Zorn reagiert. DAS ist Misshandlung!

Wenn ich Jugendliche in meinem Alter sehe, die außerhalb der Gemeinschaft aufgewachsen sind, tun sie mir eigentlich leid – weil ich sehe, wie sie versuchen ihre innere Leere mit allem Möglichen zu füllen. Ich sehe, wie sie sinnlosen, oberflächlichen, vergänglichen Dingen und der Anerkennung ihrer Altersgenossen nachjagen.

Manche drücken ihre Unzufriedenheit und Verlangen nach Aufmerksamkeit durch peinliches Verhalten oder unverblümte Rebellion und Gewalt aus. Diese jungen Menschen haben als Kind nicht die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung bekommen, die sie gebraucht hätten. Viele von ihnen haben nie gelernt ihre Mitbürger zu respektieren und zu schätzen.

Ich bin nicht perfekt und lebe auch nicht mit perfekten Menschen zusammen – wir alle machen Fehler und verletzen einander manchmal. Aber weil wir Vergebung kennen, sind wir in der Lage, in Liebe zusammenzuleben und alles zu teilen – und das jetzt schon über 40 Jahre lang. Wir sind nur aus dem einzigen Grund in der Gemeinschaft, weil wir hier sein WOLLEN. Jeder von uns hat das freiwillig entschieden – sowohl diejenigen, die irgendwann zur Gemeinschaft gekommen sind als auch diejenigen, die in die Gemeinschaft hineingeboren wurden.

Ich war nie Teil einer anderen Religion und habe auch nie außerhalb der Gemeinschaft in der “normalen” Gesellschaft gelebt, aber ich wünsche mir nichts anderes. Die Dinge, die ich gehört und gesehen habe, genügen mir mich für ein Leben in der Gemeinschaft zu entscheiden. Ich bin hier, weil ich an Gott glaube.

Gott ist Liebe und hier erfahre ich Liebe. Wir lernen Liebe zu geben und Liebe zu empfangen. Ich liebe meine Freunde hier – wir kennen die Herzen voneinander! Jeder muss den ersten Schritt tun. Das ist eine Herzenssache, ob man das will oder nicht. Meine Hoffnung und Zukunftsvision ist, dass es weitere Generationen geben wird, die dasselbe Herz annehmen – so wie ich das Herz meiner Eltern angenommen habe.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, was es bedeutet, in den Zwölf Stämmen aufzuwachsen, komm uns doch besuchen und stelle Fragen.

Yehezekels 007

Von einer Tochter,
die in den Zwölf Stämmen in Deutschland aufgewachsen ist