vielleicht haben Sie am 12.05.2015 in der Augsburger Allgemeinen im Artikel „Konflikt um die Zwölf Stämme“ die zwei Poster gesehen, die zwei Mädchen in der Parade hoch hielten. Ein Poster war mit einem Mädchen von 1939 drauf und dem Untertitel „Auch du gehörst dem Führer“ und das andere mit einem anderen Mädchen von heute, unter dem steht „AUCH DU GEHÖRST DEM STAAT“.

Ich wollte Sie nur wissen lassen:

ICH bin dieses Mädchen von heute und ich fühle mich genau so wie auf dem Bild. Das Jugendamt und das Familiengericht in Nördlingen behandeln mich, als ob ich dem Staat gehören würde. Seit fast zwei Jahren versuchen sie, mein Leben zu kontrollieren – ohne Grund.

FotoAm 5. September 2013 haben sie mich mit einer Hundertschaft Polizisten meinen Eltern und der Gemeinschaft, in der ich lebte, entrissen und ins Landratsamt Donauwörth gebracht. Dort standen Polizisten an jedem Ausgang und an jeder Ecke. Nach einem Gespräch mit einer Sozialarbeiterin wurden wir in ein Untersuchungszimmer gebracht. Dort wurden wir von Amtsärzten medizinisch untersucht, obwohl wir in KLZ schon einmal davor freiwillig von Amtsärzten untersucht worden waren. Wir mussten alles ausziehen und natürlich haben sie keinen Kratzer und gar nichts gefunden und ich dachte, wir kommen sofort wieder nach Hause. Es war ja klar, dass wir nicht misshandelt waren.

Doch zu meinem Schrecken haben sie mich und eine meiner Freundinnen in ein Heim für schwererziehbare Mädchen abtransportiert. Dort kamen wir in den „Jugendschutz“ … ein Zimmer wurde uns gegeben mit nichts drin außer zwei Betten und einem kleinen Bad und zwei abgeschlossenen Fenstern. Frische Luft gab es keine im Zimmer. Die Erzieher durften die Fenster nur lüften, wahrend wir beim Essen waren und die Tür wurde solange hinter uns verschlossen. Bevor wir wieder in unser Zimmer zurück durften, verschlossen sie die Fenster dann wieder. Ein richtiges GEFÄNGNIS!

Für die nächsten fünf Wochen waren wir völlig abgeschottet. Ich durfte weder Kontakt mit meinen Eltern, noch mit meinen Geschwistern haben, noch mit irgendjemandem sonst – mit keinen Freunden oder Bekannten, noch nicht mal mit meinen Großeltern, die gar nicht in der Gemeinschaft leben. Alle Schritte wurden kontrolliert und genauestens überwacht – wir durften noch nicht einmal für einen Spaziergang an die frische Luft.

In dieser Zeit bekam ich meine Eltern nicht zu sehen, was sehr hart war für mich. Erst nach Wochen konnte ich sie ein Ma1 in der Woche für zehn Minuten anrufen, aber nur unter Bewachung. Das Telefon wurde mitgehört und die Erzieherin hat mir vorgesagt, was ich sagen durfte. Danach hat sie dann alles aufschreiben müssen. Auch meine Briefe wurden alle geöffnet und kontrolliert.

Meine Briefe an Richterin Roser im Amtsgericht Nördlingen und an Richter Prexl im Oberlandesgericht wurden nie beantwortet. Obwohl ich bei meinen Anhörungen dort immer ganz klar gemacht habe, dass ich nach Hause zu meinen Eltern will, schrieben sie in den Beschlüssen nur immer, dass ich gefährdet bin, weil ich in der Gemeinschaft lebe und wir an die Bibel glauben. Ich habe alles zu Hause so vermisst – meine Eltern, meine Geschwister und unser wunderschönes, friedliches, gemeinsames Leben.. wie wir immer zusammen waren, egal, was wir gemacht haben und soviel Spaß hatten miteinander. Stattdessen war ich hier, eingesperrt hinter hohen Klostermauern und konnte nichts von all dem tun,was ich früher getan habe .

Nach einem halben Jahr hatte ich die Nase voll und bin schließlich aus dem Heim geflüchtet. Als ich in Klosterzimmern ankam, war ich so froh und dachte, dass jetzt wieder alles so sein konnte wie früher – aber leider war das nicht so!!

Das Jugendamt versucht immer noch, mein Leben zu kontrollieren. Ständig kommen sie mit Polizeirazzien auf unseren Hof und versuchen mich wieder einzufangen und ins Heim zurück zu bringen. Seit meiner Flucht aus dem Heim muss ich ständig in der Angst leben, wieder dorthin zurück gebracht zu werden, wo ich nicht sein will.

Ja, Ich denke, ich habe das Recht zu sagen, dass der Staat mich kontrolliert, denn es ist genauso wie das, was ich über die Zeit vor 75 Jahren gehört habe. Ich dachte, dass die Menschen sich in der Zwischenzeit geändert haben. Aber es ist traurig zu sehen, wie Geschichte sich wiederholt. Es war mir von Anfang an klar, dass der Staat versucht, unsere Gemeinschaft zu zerstören. Und dass er versucht, es durch die Kinder zu machen. Es ist so wie Völkermord. Wenn man einem Volk die Kinder weg nimmt, geht das Volk zugrunde.

Letztes Jahr machte das Jugendamt wieder mit hundert Polizisten eine Razzia, um nach mir und einem anderen Mädchen,das auch aus einer Pflegefamilie geflohen war, zu suchen. Die Richterin vom Familiengericht in Nördlingen hatte gesagt, dass sie dazu in jedes Haus und Zimmer im ganzen Dorf gehen konnten, weil alles zu den Zwölf Stammen gehöre. Das ist, als ob die Polizei in Nördlingen einfach jedes Haus durchsuchen durfte, nur weil ich zur katholischen Kirche gehöre und alle in Nördlingen katholisch sind. Darf ich in Deutschland nicht nach meinem Gewissen leben?

Warum kann ich dann nicht wenigstens mit meinen Eltern dorthin gehen, wo ich das machen kann? Vor einem halben Jahr hatte ich in Klosterzimmern das Jugendamt und meinen damaligen Ergänzungspfleger zu einem Gespräch eingeladen, um ihnen klar zu machen, dass es mir gut geht und um nach einer Lösung zu suchen …

Sie sagten mir jedoch klar, dass ich nicht so leben durfte wie vorher und sie meine Schritte weiterhin kontrollieren wollen. Aber gibt es dafür Gründe? – NEIN! Es gab und gibt keinen Grund. Ich wurde im Leben nie von meinen Eltern misshandelt. Ich fühle mich aber vom Jugendamt misshandelt und unter psychologischen Stress gesetzt.

Meine schulischen Leistungen im Heim zeigten, dass ich bis dahin eine sehr gute schulische Ausbildung erhalten hatte. Unser gemeinsames Leben und unsere Kultur wurde von tausenden von Leuten geschätzt und alle haben sich daran erfreut. Trotzdem ist dies für das Jugendamt kein gutes Leben für mich. Alles was sie mir sagen konnten war:

es ist nicht nur ein Problem mit deiner Familie, sondern auch mit der Gemeinschaft und weil DU dazu gehörst, lassen wir dich nicht frei.

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