Foto: Dieter Mack aus Augsburger Allgemeine vom 12.05.2015)

Von Eva:

Am Stabenfest in Nördlingen trug ich das Schild mit dem Vergleich von 1939 und HEUTE. Dieses Poster trug ich mit Überzeugung, denn was ich HEUTE erlebe, erinnert mich an die Geschichten der Judenverfolgung und Nazi-Zeit. Natürlich ist das, was wir heute erleben nicht genauso, aber trotzdem zu vergleichen, denn die Unterdrückung, die damals herrschte ist heute immer noch zu spüren. Es ist viel etwas unterschwelliger, aber in gewisser Weise genauso zerstörerisch wie damals.

Meine kleine Schwester wurde aus unserer Familie gerissen. Wir wurden alle gleich behandelt, nur weil wir in den Zwölf Stämme Gemeinschaften wohnten. Es gibt keine Beweise für Misshandlung. Unsere Eltern haben meine kleine Schwester sehr lieb. Sie war erwünscht und ich war auch sehr froh nach acht Jahren eine kleine Schwester zu bekommen. Sie war und ist ein echter Schatz. Wir wollen sie wieder bei uns haben. Wir werden uns gut um sie kümmern. Deswegen kämpfe ich für sie. Ich will, dass die ganze Welt es weiß! …Und ich werde nicht aufgeben allen Menschen klar zu machen , was mit uns passiert. Vielleicht seht ihr es als etwas schlimmes „dieses Deutschland“ mit der Zeit in 1939 zu vergleichen, aber man muss dieser Realität ins Auge schauen und eine Veränderung schaffen! Bitte schaut nicht zu und lasst den deutschen Staat nicht den gleichen Fehler wiederholen. Bitte steht auf für was in Eurem Gewissen ist.

 

Von Besorah:

Sie mögen sich vielleicht wundern, warum ich am Stabenfest ein Plakat getragen und gezeigt habe, worauf Polizisten und das Wort „Schock“ zu sehen war. Ich wurde am 5. Sep. 2013 gegen meinen Willen von meinen Eltern getrennt und in staatliche Obhut genommen. Von meinen Eltern getrennt zu sein, war eine schreckliche Zeit, worüber ich nicht gerne nachdenke.

Schlimmer ist, dass meine Schwestern immer noch von unserer Familie getrennt sind. Ich möchte alles für sie tun, dass sie endlich wieder mit ihrer Familie leben können.

Einige möchten sich auch gefragt haben, was unsere Situation mit dem Stabenfest zu tun hat, nämlich einiges. Das Stabenfest kommt daher, dass es damals noch normal war, wenn Eltern ihre Kinder mit der Rute erzogen. Heutzutage dürfen diese damaligen Bräuche zwar noch gefeiert werden, aber wenn man sie praktiziert, werden einem die Kinder weggenommen. Deswegen möchte ich für diese Ungerechtigkeit aufstehen.

Unsere Eltern haben uns immer geliebt und nie misshandelt.