… Den 12 Stämmen will keiner seinen Glauben nehmen. Viele Dinge – und wie die 12 Stmme untereinander leben ist doch völlig ok. In der heutigen Zeit – ist das den Menschen völlig egal wie ihr lebt. HÖRT ENDLICH DAMIT AUF – DIE KINDER ZU ZÜCHTIGEN – Das ist doch das einzige was von Euch verlangt wird. Wir draußen dürfen das auch nicht machen. Wenn wir das tun – sind unsere Kinder auch weg – und das mit Recht. Ihr lebt nunmal in Deutschland und da müsst Ihr Euch auch – wie 80 Millionen andere – an das Gesetz halten. Ist denn das so schwierig?????

WdF sagte:

März 3, 2015 um 10:05 nachmittags

Das ist aus mehreren Gründen Unsinn:

1. Es ist ja gar nicht sicher, dass alle Kinder geschlagen wurden:
– Eine Familie sei nicht (Mit-)Glied der Zwölf Stämme gewesen,
– eine Familie würde angeblich auf Körperstrafen verzichten, und
– ein Teil der Kinder war in einem Alter, in dem sie nicht mehr geschlagen werden (sollten).
Das hat Keiner nachgeprüft – weil es weder um die Kinder, noch um die Gesetze gegangen ist.

2. Es wird ja nicht jede Form von “Gewalt” verfolgt, in dem Film von RTL heißt es ja: Wenn die Kinder im Zorn geschlagen werden, dann ist das zwar verboten, wird aber nicht verfolgt; verfolgt wird nur die Körperstrafe aus Überzeugung. Darum werden ja so viele Kinder zu Tode geprügelt: Weil das Jugendamt nur bei Körperstrafen, nicht bei Gewalt eingreift. (Oder zumindest nicht mit der selben Konsequenz.) – Und weil wohlerzogene Kinder in den Pflegefamilien und Heimen weniger Ärger machen, und das selbe Geld bringen.

3. Journalisten “unterwandern” höchst selten islamische Gruppen – warum wohl? Weil es ihnen um das Kindeswohl geht?

4. Wenn es zu Schlägen gekommen ist, dann hätte das Jugendamt versuchen müssen, in den Familien zu helfen – das ist nicht geschehen. Das geschieht auch nicht, wenn die Eltern nicht Teil einer religiösen Minderheit sind, jedes Jahr werden über 40.000 Kinder aus ihren Familien genommen – viel davon wollen zurück.

Dass diese Kinder zurück wollten, war den Behörden bewusst, sonst hätten sie sie nicht so eingesperrt.

5. Wenn tatsächlich passiert wäre, was die Behörden “befürchtet” haben, dass die Eltern in ein Land ausweichen, in dem erlaubt ist, was sie tun, wo wäre das Problem gewesen? Dann hätten sie doch die Gesetze des Landes, in dem sie leben, eingehalten gehabt. – Es ist aber nie um das Einhalten von Gesetzen gegangen.

6. Selbst wenn die Eltern Gesetze brechen sollten, entsteht ein Wertekonflikt zwischen dem Recht der Kinder auf “gewaltfreie” Erziehung, und dem Elternrecht. Ein ähnlicher Konflikt entsteht zwischen dem Recht, seine Meinung frei zu äußern, und dem Recht, nicht beleidigt zu werden, und so haben Richter entschieden, dass es in politischen Auseinandersetzungen in Ordnung ist, Andere als “Lügenpack” und “Idioten” zu bezeichnen – in einer privaten Auseinandersetzung wäre es wohl nicht okay. Und in ähnlicher Weise stellt ein Heim ein beträchtliches Übel dar, und nur wenn das Übel bei den Eltern größer ist, dann soll man die Kinder wegnehmen. Dieses Elternrecht wird aber praktisch nicht mehr gewürdigt – nicht nur in diesem Fall, beim Sexualkundeunterricht wird ja der Wille der Mehrheit auch nicht respektiert.

Das Elternrecht steht zwar noch im Gesetz, die meisten Menschen denken auch so, aber in den Augen der (meisten) Juristen ist der Staat schuldunfähig. Es ist nicht das Jugendamt schuld, das ein Kind in ein Heim für schwererziehbare Kinder geschafft hat, sondern der Jugendliche, der das Sektenkind dort geschlagen hat. Es war zwar absehbar, dass die Kinder dort mehr Schläge kassieren würden als daheim, aber nachdem der Jugendamtsmitarbeiter ja selber nicht geschlagen hat, ist er unschuldig. Auch der Heimleiter ist unschuldig, der die Kinder dort festgehalten hat. Außerdem hat er nur Befehle ausgeführt, und wer Befehle ausführt, ist immer unschuldig. Den Jugendlichen kann man auch nicht strafen, weil es keine Beweise gibt: Alles in bester Ordnung, zumindest aus juristischer Sicht, und dass es für das “betreute” Kind ein Problem gibt, wollen sie nicht sehen.

Am Ende glaube ich an Stacheldraht: Im einen Teil Deutschlands gab es Missstände, und im anderen auch. Aber der eine brauchte einen Todesstreifen mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen, um seine Leute zu halten, und der andere nicht. In welchem wollte ich lieber leben? Klosterzimmern ist ein ehemaliges Kloster, eines der Heime auch. In beiden gibt es Missstände, aber eines kann seine Leute ohne Stacheldraht halten, und das andere nicht – und ich kann verstehen, warum man vom einen ehemaligen Kloster mit Stacheldraht in das ohne Stacheldraht kommen will – auch wenn es dort dort sicher auch Missstände gibt.

7. In den Heimen sind die Kinder doch vor Gewalt nicht sicher. Es ist nie um den Schutz der Kinder vor Gewalt gegangen, sondern nur um den Schutz vor Eltern”gewalt”.

8. Die Kinder haben nicht nur ein Recht auf “gewaltfreie” Erziehung, sie haben auch religiöse Freiheiten, beispielsweise das Recht, dass sie ab zwölf nicht mehr gegen ihren Willen in einem anderen Bekenntnis erzogen werden dürfen, als sie aufgewachsen sind. Würden Eltern beispielsweise bei den Zwölf Stämmen leben, ihr Elternrecht dahingehend wahrnehmen, dass sie die Kinder in diesem Glauben erziehen, und weggehen, wenn die Kinder zwölf sind, dann dürften sie die Kinder nicht zwingen, Schweinefleisch oder Leber zu essen – es sei denn, die Kinder wollen das. Dieses Recht wird aber in den Heimen und Pflegefamilen zumindest zum Teil nicht geachtet. – Weil es nie um das Kindeswohl und Gesetze gegangen ist.

Mit vierzehn dürfen sie ihre Religionsgemeinschaft ändern – und beispielsweise bei den Zwölf Stämmen beitreten. (Allerdings nicht der Gütergemeinschaft, weil sie noch nicht geschäftsfähig sind.) Außer, ihre Eltern sind dort, dann dürfen sie das nicht.

Es heißt, der Wille der Kinder sei gebrochen worden. Nun, “willenlos” ist kein Adjektiv, das mir bei Kindern einfällt, die zwei Mal aus dem Heim fortlaufen. Außerdem ist das Ziel der “Gehirnwäsche” nicht, gehorsame Menschen zu formen, sondern überzeugte. Überzeugungen kann man einem Menschen nicht überstülpen, man kann sie auch nicht in einen Menschen hineinprügeln, man muss ihn überzeugen. Das scheint den Eltern gelungen zu sein. Vielleicht, weil sie überzeugend waren?

9. Das Recht auf negative sexuelle Selbstbestimmung ist den Kindern auch genommen worden.

Wenn ich die Kinder gezwungen hätte, sich auszuziehen und ihren Hintern fotografiert hätte, dann säße ich heute im Gefängnis. Sicher, die, die das getan haben, haben nicht verboten gehandelt. Mit Respekt und Schutz der Kinder hat das aber nichts zu tun.

10. Wird man ihnen, wenn sie 18 sind, das Wahlrecht und die Geschäftsfähigkeit auch absprechen, weil “ihr Wille gebrochen worden” ist? Und wo steht im Gesetz, dass Menschen, die bei “Sekten” aufgewachsen sind, unzurechnungsfähig sind? Nirgendwo. Es ist auch Unsinn, und die Vielen, die weggehen, junge wie alte, zeigt, dass “Sekten”-Mitglieder sehr wohl eine Entscheidung fällen können. Wenn sie von der “Sekte” weggehen wollen sind sie auch fähig, eine Entscheidung zu fällen, wenn sie zurück wollen, sind sie nicht entscheidungsfähig.

Abgesehen davon ist die Argumentation mit dem Gesetz so wie so fragwürdig:

1. Welchen Sinn hat ein Gesetz, die zu schützen, die nicht geschützt werden wollen? Die Frauen, die nicht befreit werden wollen, die Vietnamesen, die nicht befreit werden wollten, die Prostituierten, die nicht befreit werden wollten. Haben diese Eingriffe irgendetwas besser gemacht?

2. Dieses Gesetz ist nicht Ausdruck der Ansicht der Mehrheit der Regierten, es soll die Gesellschaft ändern wie der Veggie-Day, den die Mehrheit auch nicht will. Die Mehrheit findet wenigstens einen gelegentlichen Klapps richtig. Und die Mehrheit findet, dass man prüfen muss, ob der Zustand bei den Eltern wirklich schlimmer ist als im Heim. Und wenn die Kinder nicht in einer bösen “Sekte” aufgewachsen wären, dann wäre ihr Verhalten ein klares Zeichen, wo es ihnen besser geht.

3. Ich kenne verschiedene Leute, die mit Gesetzen argumentieren: Es ist Gesetz, also muss man es so machen. Die genau gleichen Leute schreien aber Zeder und Mordio gegen andere Gesetz. So in der Art: Kinder darf man nicht schlagen, weil es verboten ist, aber dass Schwule keine Kinder adoptieren dürfen, das ist ein himmelschreiendes Unrecht – obwohl es genauso im Gesetz steht: Einmal muss man sich an die Gesetze halten, und einmal muss man sie ändern.

4. Die Zeugen Jehovas schlagen (in der Mehrheit) ihre Kinder nicht, schicken sie in die Schule, und man hackt genauso auf ihnen herum. Nein, die Einhaltung der Gesetze ist nicht der Grund. – Abgesehen davon, dass die Gesetze vom Staat nicht eingehalten werden, und das sonderbarerweise niemanden interessiert.