Lange drei Monate später fand endlich die Anhörung von uns Eltern beim Amtsgerichts statt. Wir hatten uns schon während der ganzen Wochen darauf vorbereitet und gebetet, in der Hoffnung, vor Gericht Gehör zu finden. Doch wir wurden überhaupt nicht gehört, sondern nur vorverurteilt. Man hatte uns schon von Beginn an als „Sektenmitglieder“ verurteilt und somit wurden wir als „unglaubwürdig“ und mit Misstrauen betrachtet. Selbst der Vormund konnte die Traumatisierung unseres Sohnes erkennen, aber das schien keinen zu beeindrucken. Alle meinten, es wäre für das Kindeswohl, dass Helez im Heim ist.

Langer Stellungnahme(Auszug aus Stellungnahme des Verfahrensbeistand)

Helez` einziger Ausweg aus dieser hoffnungslosen Situation war, nach Hause zu flüchten – dorthin, wo er sein wollte.Helez 4

Anfang Dezember ist er trotz Eis und Schnee früh morgens mit seinem Freund vom Heim weggerannt und nach Hause gekommen.

Doch dann fing eine Verfolgungsjagd an. Zwei Tage später kamen Mitarbeiter des Jugendamtes wieder mit Polizei und Drohungen und der Absicht, den Jungen erneut gegen seinen Willen mitzunehmen. Nach drei anstrengenden Tagen unter der ständigen Furcht, es könnte wieder eine Polizeirazzia geben, traf dann Ihr Beschluss bei uns ein. Sein Freund durfte nun zuhause bleiben, er selbst aber wieder alleine zurück ins Heim sollte. Warum musste diese grausame Maßnahme weiter durchgesetzt werden? Unserem Sohn ging es schrecklich damit! Klosterzimmern_02_Dez_13-2Wir hatten noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben, und entschieden, uns an die nächst höhere Instanz wenden. Sicherlich würden wir dort einen Richter finden, der diesem ganzen Wahnsinn endlich ein Ende bereiten würde. So fuhren wir am 04.12. 2013 frühmorgens los zum Oberlandesgericht nach Augsburg. Wir hatten die Hoffnung, dort spontan vorzusprechen zu können und zu erreichen, dass dem Wunsch unseres Sohnes endlich Gehör geschenkt werden würde. Und tatsächlich – wir wurden empfangen, aber leider in Gegenwart des Jugendamtes und mit vor der Tür des Gerichts wartenden Polizei- Einsatzwagen, die Helez nach dem Gespräch wieder ins Heim bringen sollten.Helez5

Der sonst schüchterne Helez kämpfte verbissen vor dem obersten Richter des OLG um ihm zu erklären, dass er nach Hause will.

„Mein Verfahrensbeistand ist mein Feind!“ verkündete er. „Ich will in kein anderes Heim, ich will nach Hause!“ „Die Vorwürfe der Zeugen sind Lügen. Meine Eltern lieben mich!“ „Ich gehe nicht freiwillig ins Heim zurück. Ich will nach Hause!“

Alle seine Argumente halfen nichts. Der Richter versprach zwar, bald eine Anhörung zu terminieren und von Seiten des Jugendamts wurde uns mehr Umgang zugesprochen, danach jedoch mussten wir ihn zurück ins Heim bringen, weil schon die nächste traumatisierende Gewaltaktion mithilfe von Polizei drohte. Mit gemischten Gefühlen, doch in der Hoffnung, beim baldigen Termin im Oberlandesgericht möge Gerechtigkeit siegen, entschieden wir, ihn selbst zurück zum Heim zu bringen. Helez wollte nicht freiwillig zurück ins Heim. Er hätte selbst mit der Polizei um seine Freiheit gekämpft. Warum musste diese grausame Maßnahme durcht werden?

IMG_3338 KopieEr schrieb noch mehr verzweifelte Briefe an den Richter und sogar an den Ministerpräsidenten Seehofer. Weder Helez noch wir, seine Eltern, haben in diesem Verfahren den Eindruck gewonnen, dass wir rechtliches Gehör bekommen haben.

Schüle 2013-12-12 OLG Brief Helez

Bei seiner Anhörung war er fest entschlossen, noch am selben Tag mit uns heimfahren. Während des Gerichtstermins bewachten Polizisten die Ausgänge des Gerichts, um eine Begegnung mit uns Eltern, sowie eine Flucht zu verhindern. Wieder erklärte Helez dem Richter klar und deutlich, dass er nach Hause wolle und auch gehen werde – mit oder ohne richterlichen Beschluss.

OLG Vermerk(Auszug aus Anhörung vor dem OLG München)

Ende Januar trotzte Helez erneut der Kälte und flüchtete nach seinem Nachmittagsunterricht aus der Schule und tauchte noch am selben Abend , quasi „aus der Dunkelheit“ bei uns zuhause auf – erleichtert und absolut entschlossen, sich nicht noch einmal „wegnehmen zu lassen“. Dieses Mal würde er kämpfen, das hatte er ja leider während seines Aufenthalts im Heim gelernt.

Helez2Ein paar Tage später, nach weiteren Drohungen von Seiten des Jugendamtes, betreffs einer erneuten gewaltsamen Herausnahme, kam dann endlich der Beschluss: das Gericht würde uns wenigstens das Aufenthaltsbestimmungsrecht zurückgeben!

Helez wurde durch die Inobhutnahme ohne jegliche Vorwarnung aus seinem gewohnten, friedlichen Umfeld herauskatapultiert und in ein völlig anderes Leben, eine völlige andere Lebensanschauung und Kultur hineingeworfen – eine Umgebung, angefüllt mit täglichen Schlägereien und unsittlichem Umgang, denen er nicht gewachsen war. Alles ihm Vertraute, insbesondere die ihm vertrauten Personen, waren auf einmal weg und er musste sich völlig alleine in einer anderen Welt zurecht finden. Er wurde bewusst abgeschottet und ferngehalten von uns Eltern, seinen Geschwistern und Freunden, seinem Leben in der Gemeinschaft, seiner Religion – er sollte sozusagen umerzogen werden!

Das Vorgehen der Behörden seit der Razzia am 5. September 2013 und die daraus resultierende Situation mit unseren Kindern ist für alle betroffenen Eltern und Kinder sehr, sehr schwer. Die Seelenqualen, die unsere Kinder durch die Trennung von uns Eltern erfahren haben und ihre Traumatisierung sind offensichtlich. Albträume von Polizeirazzien und Hassgefühle gegen die deutschen Behörden, insbesondere gegen die Betreuer vom Jugendamt und die bayerische Justiz, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir lieben unseren Sohn genau wie unsere anderen Kinder über alles. Sie sind, jetzt noch mehr als vorher, das Wichtigste in unserem Leben.Klosterzimmern_25_Jan_14 - hell

Klaus & Annette Schüle