04_04_14_Klosterzimmern-17Helez ist der Jüngste von unseren insgesamt sechs Kindern. Er ist auf unserem Hof in Klosterzimmern aufgewachsen. Er liebt alles, was mit Tieren und Landwirtschaft zu tun hat. Auch hat er schon von klein auf gerne zusammen mit seinem Vater und seinen beiden älteren Brüdern auf dem Hof geholfen. Helez hat viele Freunde – sowohl unter Gleichaltrigen, wie auch bei Erwachsenen der Gemeinschaft – und hat immer gerne und eifrig bei den gemeinschaftlichen Aktivitäten und Festen mitgemacht.

Er war 13 ½ Jahre alt, als er zusammen mit allen anderen Kindern aus Klosterzimmern, mit Gewalt aus unserer Familie und seiner Großfamilie (der Gemeinschaft) herausgerissen wurde! Mit der Begründung „für das Kindeswohl“ und dass eine „gewaltfreie Erziehung“ garantiert werden soll, wurde unser Sohn in erster Linie mit Gewalt konfrontiert, die ihnen zuvor völlig fremd war.

Noch am Tag der Razzia wurde Helez amtsärztlich untersucht und obwohl man nichts Auffälliges bei ihm gefunden hatte, Helez1wurde er gegen seinen Willen in ein heilpädagogisches Heim für Schwererziehbare gebracht. Später, noch am selben Tag, wurde er nochmals sehr genau ärztlich untersucht mit dem Ergebnis: Er ist kerngesund, hat gute Augen und einwandfreie Zähne.

Helez fühlte sich auf jeden Fall völlig ungerecht behandelt, hat dies auch mehrmals gegenüber den Mitarbeitern des Jugendamtes verlauten lassen, aber keiner hat auf ihn gehört. Während seiner Untersuchung im Landratsamt schlug er mit der Faust auf den Tisch und rief lauthals:

Das ist die größte Ungerechtigkeit, die es auf diesem Planeten je gab.

Der Bericht seines Verfahrensbeistands, in dem unter anderem dessen erster Besuch bei Helez im Heim beschrieben wird, schildert ein wenig in welches Trauma ihn das Vorgehen des Jugendamtes versetzt hat.

(Aus Stellungnahme des Verfahrensbeistand: 
Anhörung der zuständigen Mitarbeiterin der Jugendhilfeeinrichtung):

Auf Fragen, wie sie den Betroffenen seit der Aufnahme erlebt habe, meinte sie, in den ersten zwei Tagen sei er sehr still gewesen, habe teilweise geweint und auf den Boden gestarrt. Er war sicherlich sehr traurig. Er habe in diesen ersten zwei Tagen auch sehr viel geschlafen.

Wir alle hofften, dass Helez` Anhörung beim Amtsgericht in Nördlingen diese ganzen falschen Anschuldigungen endlich aufdecken, und er bald nach Hause zurück kommen würde. Da er entschieden verlangte, vor Gericht vorzusprechen, gehörte er zu den ersten, die angehört wurden. Dort schilderte er die Wahrheit über seine Familie und sein Zuhause und äußerte ganz eindeutig seinen Wunsch, wieder nach Hause zu wollen. Warum er nach diesen seinen Aussagen noch weiter im Heim festgehalten wurde, konnten weder er noch wir Eltern nachvollziehen.

Vermerk AG Helez(Auszüge aus Vermerk der Anhörung im Amtsgericht Nördlingen)

Das Verfahren unserer Familie zog sich sehr in die Länge, weil es parallel zu all den anderen Verfahren der Familien der Zwölf Stämme verlief. So vergingen die Wochen und Monate, während wir unterdessen versuchten, unserem Sohn dabei zu helfen, all die ungewohnten, schrecklichen Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten, mit denen er jetzt konfrontiert war, ohne dass ihm eine Vertrauensperson zur Seite stand.

Helez FrustHelez berichtete uns von wechselnden Erziehern, von täglichen Schlägereien der Jungs untereinander. Von einem Mädchen aus seiner Gruppe, das sich öfters ritzte oder Selbstmorddrohungen verlauten ließ, den Eindrücken von Rockmusik, von Fernsehfilmen mit Gewalt und Pornographie, vom Respekt und der Zügellosigkeit der Jugendlichen im Heim und in der Schule. Zudem lastete die andauernde „Sektenhetze“ gegen seine Familie auf ihm. Alle diese ihm bisher unbekannten Dinge, und ihre auf ihn nicht unerheblichen Auswirkungen, musste er durchstehen, ohne jemanden um sich zu haben, dem er sich anvertrauen konnte. Warum hat man sich nicht die Mühe gemacht hätte, Helez vor der Inobhutnahme kennen zu lernen und warum hat keiner auf seine Briefe und seine Wünsche gehört?

Während der Besuche des Ergänzungspflegers oder seines Verfahrensbeistands, während denen Helez immer wieder den Wunsch äußerte, nach Hause zu wollen , verstärkte und bestätigte sich bei ihm das Gefühl, dass er von niemandem verstanden wurde oder sich Gerechtigkeit erhoffen konnte.

Auch Helez Verfahrensbeistand konnte nicht verstehen, was in unserem Jungen vor sich ging.

Gerichtsverhandlung