Die Geschichte der Zwölf Stämme

In den frühen 70er Jahre war die Jesus-Bewegung in Kalifornien auf ihrem Höhepunkt. Es lag eine Begeisterung in der Luft, wie Gene sie in seiner gesamten religiösen Kindheit nie erlebt hatte. Er meldete sich als Freiwilliger in einer Hilfsmission und lernte zahlreiche christliche Berühmtheiten kennen. Dabei lagen ihm besonders verlorene Jugendliche am Herzen.

VinehouseDas kleine, braune Haus in dem Gene und Marsha lebten, wurde als das „Vine House“ bekannt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kamen Jugendliche vorbei. Manche wussten nicht, wo sie sonst hingehen sollten und brauchten ein Dach über dem Kopf.

Gene und Marsha wurde es bald klar, dass sie keine Zeit haben würden, sich um diese Menschen zu kümmern, wenn sie weiter ihrer derzeitigen Arbeit nachgingen. Außerdem brauchten sie ein größeres Haus, um alle unterzubringen. Doch wie sollten sie das bezahlen und wovon sollten sie leben? Spendengelder kamen nicht in Frage. In der Bibel fanden sie die Anweisung, „ zu arbeiten und mit den Händen das Gute zu wirken, so dass man mit den Bedürftigen teilen kann.“Yellow Deli Flower Genau das wollten sie auch tun – zusammenarbeiten und alles miteinander teilen. So entstand das erste Restaurant – ein „Yellow Deli“.

Regelmäßig besuchten sie die Gottesdienste verschiedener Kirchen. Doch dann tauchten immer mehr Probleme auf. Manche Kirchgänger waren der Ansicht, dass „die Hippies und die Schwarzen“ ihre ehrwürdigen Versammlungen störten. Auch wurde es für Gene und Marsha immer schwieriger, für jeden, der bei ihnen wohnte, angemessene Sonntagskleider aufzutreiben. Außerdem fragten die neuen Jünger, wie es sein konnte, dass die Leute, mit denen sie zur Kirche gingen, so reich waren, während so viele in ihrem Umfeld arm waren. Und warum waren sie so kalt und distanziert?

Eines Sonntags dann spitzte sich die Lage zu: Die Kirche, in die sie gingen, hatte den Gottesdienst abgesagt, weil im Fernsehen ein Endspiel übertragen wurde.

ParkVon diesem Tag an besuchte die kleine Gruppe Gläubiger keine Gottesdienste mehr. Stattdessen gingen sie sonntagmorgens in einen nahe gelegenen Park, um dort zu singen und zu beten. Diese Entscheidung war sehr bedeutsam. Als sie nämlich nicht mehr in die Kirche gingen, konnte etwas Wunderbares passieren: Sie fanden langsam heraus, wer sie wirklich waren und was Gott auf der Erde tun wollte.

Auf einmal fielen ihnen Verse in der Bibel auf, die sie vorher gar nicht bemerkt hatten. Sie waren begeistert, als sie entdeckten, dass die Jünger im ersten Jahrhundert genauso wie sie gelebt hatten. Nach Apostelgeschichte 2,44 waren:

Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war.

Dieter und Martin, zwei Deutsche, die zwischenzeitlich während eines Amerikaaufenthaltes zu Jüngern geworden waren, mussten1979 in ihr Heimatland zurückkehren, weil ihre Visa abgelaufen waren. Die Gemeinschaft schickte ein paar Leute zu ihrer Unterstützung mit. Es war erst gar nicht leicht, eine Bleibe für alle zu finden, aber als Martin seine alten „alternativen“ Freunde in der kleinen Ortschaft Steinenberg besuchte, geschah etwas Unerwartetes: Die meisten Freunde von Martin verliebten sich in seinen Erretter, und wollten jetzt auch für Ihn leben.

BibelkreisDas kleine Haus der Gemeinschaft in Steinenberg veränderte sich nahezu über Nacht. Einige der früheren Bewohner, die ihre Drogen oder ihre politischen Ansichten nicht aufgeben wollten, zogen aus und das Haus füllte sich mit Jüngern. Zwei Jahre lang nannten die Jünger dieses Haus in Steinenberg ihr Zuhause. Während jener Zeit suchten sie in Deutschland nach anderen, die für dieselbe Nachricht, die sie empfangen hatten, offen waren.

Im Frühjahr 1982 entschloss sich die Eigentümerin das Hauses abzureißen und so waren sie plötzlich ohne Bleibe. Sie fanden zwar einen Grundbesitzer, der sie im Sommer 1982 auf seinem Land ein paar Wochen zelten ließ, doch es dauerte nicht lang, bis die Behörden sie aufforderten weiterzuziehen. Fast ein Jahr lang zogen sie umher von Deutschland durch Frankreich nach Spanien und Portugal. Sie beteten damals täglich, dass sie ein großes Haus finden würden.

CampingÜberall unterwegs fragten sie Leute, ob sie etwas von einem großen Haus wussten, in dem niemand mehr wohnte, oder ob sie Menschen kannten, die Gott von ganzem Herzen liebten. Aber jeder Hinweis, dem sie nachgingen, führte ins Leere.

Im Dezember 1982 schilderten sie ihre Lage einer Hotelbesitzerin an der Südküste Spaniens, woraufhin sie ihnen ein altes, heruntergekommenes Schloss in Südfrankreich anbot, das ihrer Familie gehörte.

Tabithas PlaceDie kleine Herde“ fand also im April 1983 endlich eine Bleibe in einem kleinen Dorf in Südfrankreich namens Sus, das am Fuße der Pyrenäen liegt. Der Preis für dieses „Schlösschen“ war natürlich unerschwinglich, doch konnten sie dort erst einmal bleiben und das Anwesen verwalten, bis es die Familie verkaufen müsste.

Im Jahre 1985 war der Zeitpunkt gekommen, dass die freundliche Hotelbesitzerin in Spanien ihr Anwesen verkaufen musste. Die Gemeinschaften in Amerika wollten ihren Freunden in Europa mit der Finanzierung helfen. Deshalb ließen alle arbeitsfähigen Männer drei Monate lang ihre Familien zurück, um in Boston dafür zu arbeiten. Die Frauen mussten in dieser Zeit alleine „ihren Mann stehen“. Genau zur rechten Zeit kam dann das Geld in Frankreich an und endlich hatte die Gemeinschaft ein eigenes Zuhause.

Little Flock SusNach und nach schlossen sich immer mehr Menschen den schon existierenden Gemeinschaften in USA, und Frankreich an. Die Häuser füllten sich und so schwärmten sie aus wie die Bienen, wenn es in ihrem Bienenstock zu eng wird, nach Kanada, Australien, Südamerika, Spanien, England und auch wieder zurück nach Deutschland.

Genauso wenig wie wir die Absicht hatten, eine weltweite Bewegung zu werden, hätten wir uns nie vorstellen können, dass wir einmal die Erfüllung biblischer Prophezeiungen erleben würden. Doch über die Jahre kristallisierte sich heraus, dass etwas Neues am Entstehen war, und dass wir in einer geschichtlich sehr bedeutsamen Zeit leben.

Wie es in Jesaja 49,6 sagt: „Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen; ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde.“

Viele Bewegungen kamen und gingen in den letzten 1900 Jahren, aber noch keine hat das reichhaltige Leben des Sohnes Gottes in Fülle ausgedrückt und es bis ans Ende der Erde getragen. Wir sehen den Weg klar vor uns liegen und unsere Kinder folgen uns nach und möchten dieses Leben und diese Kultur weiter wachsen sehen.

Die Herausforderung besteht darin, dass wir uns vom Geist der Liebe führen lassen und uns nicht auf unsere eigenen natürlichen Fähigkeiten stützen, sonst fallen auch wir dem Stolz, den egoistischen Verlangen und den faulen Kompromissen zum Opfer, die bisher jede Bewegung der letzten zwei Jahrtausende zum Fall gebracht haben.

Alles, buchstäblich alles, hängt davon ab …