Durch Gerichte sollten eigentlich Recht und Gerechtigkeit gewahrt werden. Aber Recht und Gerechtigkeit gründen sich auf die Wahrheit. Wenn jemand nun ein falsches Zeugnis ablegt, dann begeht er ein Vergehen gegen die Wahrheit und hat Schuld an einem Fehlurteil, einem Justizirrtum. Aus diesem Grund ist Meineid ein strafbares Vergehen, weil so einerseits Vergehen unbestraft bleiben und andererseits Unschuldige Ungerechtigkeit erleiden müssen.

Aber Meineid oder das Brechen des neunten Gebotes gibt es nicht nur vor Gerichten. Es gibt viele Arten und Weisen, wie man das neunte Gebot brechen und falsches Zeugnis ablegen kann.

(2.Mose 20,16)

213601-BibelVerleumdung bedeutet, dass sich jemand eine Lüge ausdenkt und diese mit boshafter Absicht verbreitet. Das Opfer eines Mörders verliert sein Leben meist mit wenig Schmerz, aber das Opfer eines Rufmordes, eines Verleumders, der sich eine Lüge ausdenkt und wie eine Waffe gegen ihn verwendet, schadet dem guten Ruf eines Menschen und er wird diesen niemals wieder erlangen können. Er wird den Rest seines Lebens darunter leiden.

Hinter jedem leeren Geschwätz oder Tratsch kann ein falsches Zeugnis stecken, weil man Geschichten wiederholt ohne sorgfältig zu überprüfen, ob sie der Wahrheit entsprechen. Fast alles, was in den Medien wiederholt und verbreitet wird, verstößt gegen das neunte Gebot. Reporter hören aufmerksam auf böse Lippen, um eine gute Story zu bekommen. Wenn man auf so einen Bericht hört, der die Ehre eines Menschen angreift, ohne sich sorgfältig davon zu überzeugen, dass dies der Wahrheit entspricht, dann bricht man Gottes Gebot. Ein Verleumder kann sich zwar damit rechtfertigen, dass er sagt, er habe nicht die Absicht gehabt zu täuschen und dass er überzeugt war, dass er die Wahrheit spricht. Aber nicht einmal die Wahrheit sollte man verbreiten, wenn dies seinem Mitmenschen schadet.

Der Sohn Gottes hat sein Leben verloren aufgrund genau dieser Sünde, gegen die das neunte Gebot gerichtet ist – das falsche Zeugnis. Er war verachtet und wurde von seinen Mitmenschen verschmäht:

Aber die obersten Priester und die Ältesten und der ganze Hohe Rat suchten ein falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten. Aber sie fanden keines; und obgleich viele falsche Zeugen herzukamen, fanden sie doch keines. Zuletzt aber kamen zwei falsche Zeugen und sprachen: Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen aufbauen! Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen? Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester begann und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Überdies sage ich euch: Künftig werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels! Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert! Was brauchen wir weitere Zeugen? Siehe, nun habt ihr seine Lästerung gehört. Was meint ihr? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig!