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Die Glaubensgemeinschaft der Zwölf Stämme kenne ich seit dem Frühjahr 2007. Mit meiner Familie, d.h. meinem Mann und unseren drei Kindern, habe ich sie über die Jahre des Öfteren besucht, sowohl auf dem Hof in Klosterzimmern, als auch in Wörnitz. Meist haben wir bei den Zwölf Stämmen übernachtet.

Wir waren in Klosterzimmern auf den Hoffesten 2010 – 2012, auf zwei Hochzeiten und sogar eine ganze Woche lang im Sommer 2008. Dabei haben wir an ihrem Alltag teilgenommen, an den Morgen- und Abendversammlungen, an den Schabbatfeiern und an den Mahlzeiten. Die Kinder der Gemeinschaftsmitglieder waren uns gegenüber aufgeschlossen und haben mit meinen Kindern Kontakt gehabt. Sie waren respektvoll und sehr hilfsbereit. Ich habe keine schlechten Worte aus ihrem Mund gehört, auch nicht in Gesprächen untereinander. Für ihr Alter konnten sie sich sehr gut verbal ausdrücken, meist auf Deutsch genau so gut wie auf Englisch. Sie nahmen an den Versammlungen der Erwachsenen teil und sprachen dort ohne Hemmungen.

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Verschiedene Aufsätze der Kinder wurden in den Häusern der Gemeinschaft ausgehängt und ich konnte sie lesen. Die kleineren Kinder waren stets in Begleitung eines Elternteils, bei den Kleinsten meist die Mutter, wobei eine sehr enge Bindung zwischen Eltern und Kind für mich sichtbar war. Liebevoll und fürsorglich haben sich die Eltern um ihre Kinder gekümmert, ebenfalls andere Gemeinschaftsmitglieder. Auch das Verhältnis zwischen den Geschwistern war rücksichtsvoll und zärtlich. Es war von der Verantwortung der Älteren den Jüngeren gegenüber geprägt. Sie haben sich wie ganz normale Kinder benommen, die sich in ihrer Freizeit auf der großen Wiese austoben konnten. Ich beobachtete sie beim Trampolinspringen, Schaukeln und Spielen im Sandkasten. Sie wurden auch zu kreativen Aktivitäten angehalten, wie Malen und Basteln. Ich sah die Kinder ebenfalls ihren Eltern fröhlich bei den Aufgaben im Haushalt mithelfen. Je nach Altersstufe übernahmen die Kinder auch selbständig Aufgaben, wobei das gegenseitige Dienen im Mittelpunkt stand.


Die Kinder der Gemeinschaft Zwölf Stämme machten auf mich einen ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck. Die meisten waren in ihrer Entwicklung sehr reif und durchaus selbstbewusst. Meine beschriebenen Beobachtungen und Erfahrungen mit den Kindern, mit denen ich Umgang hatte, stehen in absolutem Widerspruch zu der Behauptung, dass sie von ihren Eltern misshandelt worden wären. Man braucht keine besonderen psychologischen Kenntnisse, um festzustellen, dass es sich hier um ein gesundes Verhältnis zwischen Eltern und Kinder handelt, das von gegenseitiger Liebe und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Das kann auch ein Psychologe feststellen, wenn er die Aufsätze oder Zeichnungen der Kinder auswerten würde.

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Alle Kinder, die der Glaubensgemeinschaft angehörten, wurden seit nun mehr über einem Jahr ihren Familien, und damit ihren wichtigsten Bezugspersonen, der Lebensgemeinschaft und Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, vollkommen unerwartet und gewaltsam entrissen. Unermessliches Leid und seelische Schmerzen mussten sie seitdem ertragen. Das entspricht durchaus einer Misshandlung. Jetzt wird vor Gericht um das Sorgerecht für jedes einzelne Kind verhandelt. Und jetzt sollen erst psychologische Gutachten eingeholt werden. Doch nach mehr als einem Jahr in Heimen oder bei Pflegefamilien sind es nicht mehr die gleichen Kinder wie damals. Wer will noch feststellen können wie sie damals waren? Wahrscheinlich nur noch ihre Aufsätze und Zeichnungen in den Fluren ihrer ehemaligen Schule und Wohnhäuser.

Ich bin überzeugt, dass die Kinder, die ich bei der Glaubensgemeinschaft der Zwölf Stämme kennengelernt habe, weder physisch noch psychisch misshandelt waren. Daher fordere ich, dass alle Kinder wieder zu ihren Eltern zurückkehren dürfen. Nur dann wird wieder zum Wohl der Kinder gehandelt. Wer will und kann ansonsten für dieses unermessliche Leid die Verantwortung tragen?

Dr.-Ing. Maria Cotorogea