Vor etwa 6 Jahren kam ich an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich feststellte, dass ich so wie ich lebte, nicht mehr weiter leben wollte. So fing ich an im Internet nach einer Alternative zu suchen, nach Lebensgemeinschaften, in denen der Mensch im Vordergrund steht, wo Liebe und für einander da sein wichtiger sind als Geld, Macht und Erfolg. Ich suchte einfach einen Ort, an dem der Mensch wieder Mensch sein konnte. Durch einen scheinbaren Zufall bekam ich die Internetadresse der Homepage der Gemeinschaft der Zwölf Stämme.

Als ich mir dort die Bilder ansah und die Texte las, tat sich etwas in mir. Plötzlich war da ein Funke Hoffnung und ich konnte kaum begreifen, wie es möglich war, dass in dieser Zeit mitten in Deutschland, so viele Menschen zusammen lebten, und dass sie alles mit einander teilten. Mich berührte dies so sehr, dass ich noch am selben Abend eine lange E-Mail an diese Menschen schrieb und es dauerte auch nicht lange und ich bekam eine Antwort.

Von diesem Tag an schrieb ich der Gemeinschaft fast schon regelmäßig Mails. Ich versuchte das in Worte zu fassen, das mich berührte. Und schnell merkte ich, dass dort, in Klosterzimmern Menschen leben, die etwas Besonderes im Herzen trugen. Es dauerte trotzdem gute 6 Jahre bis ich mich überwinden konnte, sie zu besuchen.Daniel1Im Sommer 2013 reiste ich dann mit sehr gemischten Gefühlen an. Auf der einen Seite freute ich mich, dass ich endlich einmal vor Ort sehen konnte, wie das Leben hier so war, und darauf, die Menschen persönlich kennen lernen zu dürfen. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch viel Unsicherheit in mir und Zweifel, denn ich wusste ja, dass das Fundament der Gemeinschaft der gemeinsame Glaube an Gott und seinen Sohn war. Bis dahin hatte ich mit dem Thema Glauben nicht viel am Hut. Da war immer eine Stimme in mir, die fragte: “Wo ist der Haken?!”.

Ich kam einen Tag vor einer Hochzeit an und wurde so freundlich und herzlich empfangen, wie nur sehr selten in meinem Leben. Mir völlig fremde Menschen kamen auf mich zu, begrüßten mich herzlich und begannen Gespräche mit mir. Ich fühlte mich plötzlich so geborgen und sicher wie nie zuvor in meinem Leben.

Ich teilte ein Zimmer unter anderem mit einem Mann, der sich mir als Wolfgang vorstellte, ein Sanitäter aus Köln, der in einer Sinn- und Lebenskrise sei. Damals wusste hier niemand, wer er wirklich war, aber inzwischen ist uns bekannt, dass sich hinter Wolfgang aus Köln, der RTL Reporter Wolfram Kuhnigk verbarg.

Ich half, bei den Vorbereitungen für die anstehende Hochzeit mit und bekam dabei einen kleinen Einblick, was es bedeutet sein Leben in Liebe miteinander zu teilen. Ich wusste dies zu schätzen und ich sah auch, wie die Kinder in der Gemeinschaft es zu schätzen wussten, dass sie mit helfen durften. Ich war überhaupt sehr angetan von den Kindern, denn sie waren nicht nur wohl erzogen, nein sie waren voller Leben und Dankbarkeit. Ich war erstaunt darüber, mit welcher Freude die Kinder mit halfen und ich begriff, dass Gemeinschaft eben auch gemeinsam bedeutet, und niemand, weder Kind noch Gast, wurde davon ausgeschlossen.

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Ein paar Wochen später kehrte ich zurück nach Klosterzimmern. Diesmal blieb ich ein paar Tage länger und hatte die wunderbare Gelegenheit einen größeren Einblick in das tägliche Leben zu erhalten. Ein besonderer Moment war für mich, wenn die gesamte Gemeinschaft mit all den Kindern, Gästen und auch den älteren und schwächeren zusammen für eine Stunde aufs Feld hinausging, um Unkraut zu zupfen. Dort spürte man einen Zusammenhalt und eine Gemeinsamkeit, die man nicht in Worte fassen kann. Aber dann überkamen mich wieder Zweifel und Unsicherheit, nicht Zweifel an der Gemeinschaft, eher Zweifel an mir selber und an allem, was ich bin. Ich verschwand ohne ein Wort und kehrte an den Ort zurück, den ich zu Hause nannte.

Es brauchte dann ein weiteres Jahr bis ich erneut nach Klosterzimmern ging. In der Zwischenzeit war soviel passiert, aber die Menschen hier und besonders die Eltern jener Kinder, die von den Behörden weggenommen worden sind, hatten erstaunlicherweise ihre Zuversicht nicht verloren und die Entschlossenheit und Einigkeit an diesem Leben fest zu halten, beeindruckte mich mehr denn je.

Inzwischen bin ich einige Wochen hier und habe für mich einen neuen Weg gefunden. Ich habe mein Herz geöffnet und kann endlich der Mensch sein, der ich bin. Ich habe Menschen gefunden, die wie ich Liebe geben und auch Liebe nehmen wollen, die auf einander Acht geben und alles teilen, was sie besitzen. Ich habe Hoffnung für mich und Hoffnung für die Menschen in der Gesellschaft, die wie ich ohne Ziel, suchend durch das Leben gehen und daran fast verzweifeln.

Das Leben, das wir Dank unseres Schöpfers hier führen können, ist so einzigartig und so kostbar, dass man es festhalten und schützen muss. Und ich weiß, dass der Tag kommen wird, an dem auch die Kinder wieder hier in der Gemeinschaft leben können.

Es gibt nichts schöneres im Leben als jeden Moment mit anderen zu teilen.

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