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Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.
(Lk 7,35 Elberfelder Bibel)

Die Presse liebt es so sehr, Klosterzimmern wie ein KZ darzustellen, umfriedet mit hohen Mauern und Stacheldraht …und den Ältesten, die alles bewachen…

Manche Leute denken deshalb irrtümlicherweise, dass „alle Gemeinschaftsmitglieder nur unter dem Zwang eines rigiden Bestrafungssystems bei den Zwölf Stämmen gehalten werden“. Es ist aber tatsächlich so, dass die meisten gerne hier leben, wo sie leben. Wir, die in der Gemeinschaft der „Zwölf Stämme“ bleiben, tun dies, weil wir das so wollen.

Wir lieben das Leben, das wir leben und wir lieben die Menschen,
mit denen wir leben …

Und wir lieben auch unsere Nachbarn, deshalb haben wir wirklich gerne unser jährliches Hoffest abgehalten und Euch bewirtet. Wir haben nichts daran verdient, aber das ist uns nicht so wichtig, denn wir lieben es zu teilen. Vielleicht hat es ja schon der eine oder andere gelesen, dass „wir ohne Lohn arbeiten müssen“. Aber wir leben einfach so, wie die erste Gemeinde, von der es in der Apostelgeschichte 2,44 erzählt:

Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. (Lutherbibel 1984)

Das ist freiwillig. Wir versuchen dies auch jedem klar zu machen, der mit uns leben will. Das ist uns wichtig. Doch manchmal passiert es, dass Menschen uns trotzdem beitreten und denken, dass wir eine alternative Kommune wären. Wenn wir das nicht gleich merken, kommt es vor, dass Leute sich später beschweren, wenn sie nicht länger für sich selbst leben können. Aber wir lieben das Leben, das wir leben und wir lieben die Menschen, mit denen wir leben…

und unsere Kinder auch:


Abba, Du verlässt die Gemeinschaft aber nicht!

Channinahs letter 10-10-1Wir freuen uns immer, wenn wir die Gelegenheit haben unsere zwei Töchter Chaninah (12) und Ishah (10) zwei Stunden lang alle zwei Wochen im Heim zu besuchen. Dazu bringen wir auch meistens Besorah mit, ihre 14-jährige Schwester, die seit dem 4. Dezember 2013 wieder aus der Gefangenschaft freigelassen wurde.

Auch in den schwierigen Umständen unserer Familie, und obwohl die Besuche immer streng überwacht sind, verbringen wir kostbare Momente mit unseren Kindern in Gefangenschaft. In einem dieser kurzen Momente hat Chaninah mir von einem Ereignis erzählt, das ihr vor kurzem widerfahren ist:

Da unsere Anhörung im Hauptsacheverfahren bevorstand, bekam sie Besuch von ihrer Rechtsanwältin, die sich nach ihrem Befinden und ihren Zukunftswünschen erkundigte:

Willst Du wirklich wieder zu deinen Eltern zurückgehen?“

Ja, 100%!“ hatte sie der erstaunten Anwältin geantwortet.

Dann meinte sie: „Wenn deine Eltern die Gemeinschaft verlassen hätten, wärt ihr bestimmt schon wieder zuhause!“

Chaninah erzählte mir das alles und dann blickte sie mir tief in die Augen und sagte zu mir – fast befehlend – mit einem sehr ernsthaften Ton in ihrer Stimme:

Abba, Du verlässt die Gemeinschaft aber nicht!

Allein der Gedanke ist für sie unvorstellbar! Sie würde niemals darauf kommen!

Wir sind so dankbar für die treuen Herzen unserer Kinder und ihre Willigkeit durchzuhalten. Sie geben die Hoffnung nicht auf, dass sie eines Tages zu ihren Eltern und ihrem Volk zurückkehren können.

… und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

(Lk 7,35)