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Kürzlich zitierten wir den heidnischen römischen Kaiser Trajan, der einen seiner Statthalter dazu beauftragt hatte, kein anonymes Zeugnis zu akzeptieren, da diese „ein schlechtes Beispiel darstellten“ und „nicht dem Geist unserer Zeit gemäß“ seien. Allerdings scheint es in Deutschland so zu sein, dass Gerichte und Jugendämter anonyme Berichte als gutes Beispiel und durchaus unserem Zeitalter gemäß betrachten.

Anonyme Berichte können jedoch von jedem beliebigen Menschen geschrieben sein; ihre Urheberschaft kann allerdings nicht genau geprüft werden auf Bosheit und Vorurteile.“

Sind nun solche grundlegend fehlerhaften Berichte akzeptabel?

Wo es nicht um die Wahrheit geht, wird anonyme Berichterstattung gerne akzeptiert.

Genau darum handelt es sich bei den Sektenexperten. Was uns jedoch noch größere Sorgen macht, ist die Tatsache, dass die Gerichten scheinbar diese „Experten“ als Sachverständige Zeugen und Gutachter zu Rate ziehen. Sie wissen nichts über die Zwölf Stämme und sind sie betreffend dennoch „glaubhafte“ Zeugen. Wie kann das sein?

Wenn wir uns auf Lügen sogenannter Sektenbeauftragter und deren Berichte über die Zwölf Stämme beziehen, die von den Gerichten als „Beweismaterial“ betrachtet werden, so meinen wir z.B. Behauptungen wie die von Klaudia Hartmann von der Katholischen Diözese in Augsburg (die am 13.09.2013 bei einer Gerichtsanhörung gegen die Eltern der Gemeinschaft in Wörnitz ausgesagt hat). Die mannigfaltigen Irrtümer dieser Frau beschreibt Prof. Susan Palmer in ihrer Eidesstattlichen Erklärung an die Gerichte.

 

(1) Klaudia Hartmann schreibt, dass sich ihr Sachverständnis auf Internetrecherchen, Veröffentlichungen und Interviews mit Aussteigern, die anonym bleiben, gründet. Aber ihre Darstellung der Zwölf Stämme ist voller Irrtümer. Erstens – sie bringt die Theologie/Eschatologie völlig durcheinander, wenn sie schreibt, dass die Zwölf Stämme ein “dualistisches Weltbild” vertreten und dass “jeder, der nicht ihrer Gemeinschaft beitritt, in den Feuersee kommen wird”. Sie hat sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, den Artikel “Die drei ewigen Schicksale” zu lesen, der auf der Zwölf Stämme-Website veröffentlicht ist und der zeigt, dass sie an drei Schicksale für die Menschheit glauben. Die “gerechten Diener” usw., die keine Mitglieder sind, sondern wohlmeinende Menschen, wird demnach eine dritte Bestimmung genannt die „Nationen“ erwarten (ähnlich wie bei den Mormonen, wo es “drei Stufen der Herrlichkeit” gibt, bei denen die “Gerechten” ein “irdisches” Reich erben werden, im Gegensatz zu den „Schmutzigen und Ungerechten“, die auf ein “telestiales” Reich verbannt werden).
 
Jeder Aussteiger hätte Klaudia Hartmann dies bestätigen können. In dieser Hinsicht denken die Zwölf Stämme weniger “schwarz-weiß” als viele evangelische Denominationen und die Zeugen Jehovahs und selbst die katholische Kirche mit ihrem Grundsatz extra ecclesiam nulla salus (außerhalb der Kirche gibt es kein Heil).

 

(2) Zweitens – Hartmann spricht von der sektiererischen Natur der Stämme – sie behauptet, dass kein Außenseiter die Gemeinschaft besuchen darf, nur potenzielle Konvertierer. Sie hat offensichtlich nie eine Gemeinschaft besucht, denn dort trifft man sehr häufig Verwandte oder Freunde von Mitgliedern auf Besuch beim Abendbrot oder bei den Versammlungen (Minchot) an.
Ich habe zum Beispiel vor kurzem die Mutter eines Mannes in der Tschechischen Republik kennen gelernt, der Mitglied geworden ist und seinen Hof der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt hat. Seine Mutter beabsichtigt keinesfalls der Gemeinschaft beizutreten, aber sie kommt regelmäßig jedes Wochenende ihren Sohn und ihre Enkelkinder besuchen. Die Stämme laden auch Kunden ihrer Solarfirma, vom Wochenmarkt oder Auftraggeber ihrer Zimmerei Firma ein, ihren Lebensweg kennen zu lernen. Viele meiner Kollegen Professoren in den USA haben die Stämme besucht und ihre Studenten auf Exkursionen zu Gemeinschaften in Kalifornien und Neuengland mitgenommen.

 

(3) Drittens – Klaudia Hartmann hat behauptet, dass die Mitglieder der Zwölf Stämme nicht zu Ärzten gehen und nennt als Beispiel schielende Zwillinge (Fall Pingen). Auch in diesem Punkt hat sie sich nicht richtig informiert. Es stimmt, dass nur manche Mitglieder der Stämme eine Krankenversicherung besitzen, die meisten nicht (Sie sind gerade dabei, eine eigene Versicherungsfirma zu gründen), aber sie schließt daraus, dass sie die moderne Medizin ablehnen. Das ist nicht wahr. Die Stämme haben es sich immer zum Grundsatz gemacht, Ärzte vor Ort zu konsultieren oder ihre Mitglieder, wenn notwendig, ins Krankenhaus zu bringen. Marc Pingen hat dem Gericht stapelweise Arztrechnungen vorgelegt, um zu beweisen, dass er häufig Ärzte konsultiert hat. Seine schielenden Töchter trugen Augenklappen jeweils abwechselnd auf einem Auge, was die Standardbehandlung für dieses Leiden ist. Entgegen diesen Tatsachen und vielfältigen Beweisen kursiert in den Antisektenkreisen der weit verbreitete Mythos, dass die Eltern ihren Kindern ärztliche Behandlungen verweigern. Viele haben sich notwendigen Operationen unterzogen.

 

(4) Ein weiteres Beispiel ist ein achtjähriger Junge, der unter Diabetes leidet und bei der zweiten Razzia am 9. Dezember 2013 seinen Eltern weggenommen wurde (Hennigfeld). Die Mitarbeiter des Jugendamtes weigerten sich die detaillierten Anweisungen der Mutter über seine medizinische Versorgung anzuhören, weil sie so sehr in Eile waren das Kind wegzunehmen. Die Folge dessen war, dass sein Blutzucker gefährlichen Schwankungen unterlag und er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Sein Vater bemängelt, dass er in der Einrichtung, in der er derzeit untergebracht ist, sehr schlecht ernährt wird mit Essen aus der Dose und Fertiggerichten aus der Mikrowelle im Gegensatz zur gesunden biologischen Ernährung, die er zuhause genossen hat. In der Einrichtung werden seine Blutzuckerwerte bewusst etwa hoch gehalten, um die Gefahr von zu niedrigem Blutzucker zu umgehen und die Betreuer ignorieren die negativen Langzeitwirkungen von zu hohem Blutzucker auf Diabetes-Patienten (wie Erblinden, Nierenversagen, Amputationen, usw.). Seine Mutter kümmerte sich in einer behutsamen, fürsorglichen Weise um seine Blutzuckerwerte und sein Insulin und handhabte seine Ernährung so, dass die Gesundheit ihres Sohnes und sein Wohlbefinden in der vertrauten Familienumgebung optimal betreut wurden, was in einer staatlichen Einrichtung nicht möglich ist.

 

(5) Die Stämme leisten ihren Beitrag zur Gesellschaft und pflegen kooperative Beziehungen zu den örtlichen Gemeinden. Sie stellen ihre Wohltätigkeit auch Heimatlosen oder Kranken zur Verfügung, die keine Mitgliedschaft anstreben. Um ein Beispiel zu nennen: Professor Timothy Miller von der University of Kansas erzählte mir, dass er die Stämme im Frühjahr 1995 besucht hätte und dass während einer Versammlung die Polizei gekommen sei und gefragt habe, ob sie einen Heimatlosen für eine Nacht aufnehmen könnten. Er hatte sich bei der Polizei gemeldet und um Unterkunft gebeten, aber sie war dafür nicht eingerichtet. Die Stämme stimmten zu und der Mann verbrachte eine angenehme Nacht und zog nach dem Frühstück weiter.
Das weist darauf hin, dass die Zwölf Stämme bei den Behörden dafür bekannt sind, dass sie ihren Dienst und ihre Wohltätigkeit der säkularen Gesellschaft anbieten. Ich selbst habe den Vater eines Mitgliedes in Klosterzimmern kennen gelernt, der unheilbar an Krebs erkrankt ist und niemanden hatte, der sich um ihn kümmern konnte und von den Stämmen aufgenommen wurde.
Viele Gemeinschaften wollen nicht, dass unproduktive Menschen, Kranke oder Senioren sie besuchen oder der Gemeinschaft beitreten wie die berühmte “Twin Oaks Community”, die niemanden über 60 aufnimmt. Die Stämme dagegen haben älteren Verwandten oder Mitgliedern und auch Behinderten erlaubt beizutreten. Mir ist zum Beispiel ein einäugiger Mann mit einer Sprachbehinderung begegnet, die von einem Schlaganfall herrührt und durch eine erfolglose Operation verschlimmert wurde. Er bläst das Shofar in der Gemeinschaft Klosterzimmern.
Diese Fakten widersprechen dem stereotypen Bild von der manipulativen “Sekte”, die gutgläubige Opfer ausnutzt und manipuliert.

 

Zusammenfassend:

Als Sozialwissenschaftlerin und erfahrene Forscherin, die auch Seminare über Forschungsmethoden hält, finde ich es ziemlich verwunderlich und eine völlig unzureichende Grundlage für ein Gericht, sich bei einer so ernsten Entscheidung wie die, ob das Sorgerecht über die Kinder der Zwölf Stämme dem Staat oder den leiblichen Eltern gegeben wird, auf die Schriften von “Sektenexperten” zu stützen wie Klaudia Hartmann von der katholischen Diözese, Sabine Riede von Sekten-Info Nordrhein-Westfalen und Pastor Dr. Wolfgang Behnk von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Ich habe ihre Schriften über die Zwölf Stämme gelesen und kann mit Zuversicht sagen, dass sie darin offenbaren, wie unwissend, nachlässig und unverantwortlich sie in ihren sozialwissenschaftlichen Forschungen vorgegangen sind und dass sie ein wertendes, mit Vorurteilen behaftetes, voreingenommenes, stereotypes Bild von sogenannten “Sekten” verbreiten.

Nach meiner Expertenmeinung ist ihr angebliches Wissen über die Zwölf Stämme nicht verlässlich, da es inakkurat ist und sich nicht auf Wissen aus erster Hand und auf Studien gründet, was die Voraussetzung für die Qualifikation als Experte auf einem bestimmten Gebiet ist. Ich bin bereits als Expertin der Religionswissenschaft qualifiziert und habe mich als Wissenschaftlerin auf die Zwölf Stämme-Gemeinschaften spezialisiert.