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Jeaseyah mit AbbaEuer Ehren, Frau Richterin R.,

es ist eine Tatsache, dass mir mein geliebter Sohn schon ein Jahr lang gewaltsam entzogen wurde. Welche Beweise für eine Kindeswohlgefährdung stellen Sie dem gegenüber, die ein solches Vorgehen rechtfertigen? Was habe ich getan, dass das Jugendamt so willkürlich in meine Familie eingreifen konnte? Bei der Inobhutnahme, ich habe meinen Sohn aus dem Schlaf reißen müssen, war mein Sohn laut ärztlichem Befund kerngesund. Er hatte keinerlei Merkmale physischer oder psychischer Schäden oder Vernachlässigung – er war körperlich und seelisch unversehrt. Warum wurde mir mein Sohn nach der ärztlichen Untersuchung nicht zurückgegeben? Meine Zugehörigkeit zu den Zwölf Stämmen ist der einzige Grund, weshalb ich meines Sohnes beraubt wurde.

Ich denke, dass es in einem Rechtsstaat nicht die Aufgabe der Richter ist, über religiöse Fragen zu entscheiden. Laut Gesetz Art. 3, Abs. 3 GG darf „keine Person bevorzugt oder benachteiligt werden aufgrund…. ihres Glaubens oder religiösen Meinung…“

Es ist uns Menschen nicht gegeben, den Glauben oder die Religion eines anderen Menschen zu richten. Das Gesetz sagt dieses aus gutem Grund. Der Grund hierfür ist, dass sie keine kompetenten Zeugen dafür sein können.

Warum, Euer Ehren, hat die Stimme sogenannter „Sektenexperten“ und Antisektenagenturen, die schlichtweg Lügen über uns verbreiten, so viel Gewicht? Sollten nicht die Gerichte religiöse Minderheiten beschützen? Wir werden verfolgt und sollten von vornherein zerstört werden. Stützt der Staat blindlings religiöse Mehrheiten, dann leben wir wieder wie in Zeiten der Verfolgung und Inquisition. Die Aufgabe des Staates ist eigentlich, Menschen, die Gutes tun, zu loben und Menschen, die Böses (Straftaten) tun, zu bestrafen.

Wird Artikel 4 des Grundgesetzes noch respektiert?

1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnis sind unverletzlich.
2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Grundrechte sehe ich hier, in unserem Falle, auf das Gröbste verletzt. Das Gesetz zur Ächtung der Gewalt wird wider Gottes Wort gedeutet und „legitimiert“ den größten Gewaltakt, den man einer Familie antun kann.

Das deutsche und das bayerische Gesetz verlangen:

„Die bloße Mitgliedschaft von Eltern in einer kleinen religiösen Gemeinschaft, die nicht zum Mainstream gehört… – was manche eine Sekte nennen – ist kein legitimer Grund, ihnen das Sorgerecht für ihr Kind zu entziehen…“ Robbers, Gerhard, „Gesetz und Religion in Deutschland“ (2013)

Wenn Sie, Frau Richterin, verstehen, dass der „Staat keine Religionsgemeinschaft bevorzugen darf oder die Besonderheiten oder Ideologie einer Organisation als wahr zu bewerten hat“ dann heißt das, dass der Staat in religiösen und Angelegenheiten des Glaubens neutral sein muss. Sie wissen, dass dies im Fall des Jugendamts und der Zwölf Stämme nicht der Fall gewesen ist.

Warum, Euer Ehren, wollen Sie uns zum psychologischen Gutachten zwingen? Ich habe ein Recht, darauf zu verzichten. Im Parallelfall in Ansbach hat ein Psychologe Eltern nach 1 ½ stündigem Gespräch und Fragebögen mit ca. 325 Fragen, die per Computer ausgewertet wurden, für „erziehungsunfähig“ erklärt. Ich studierte einst Informatik u. anschließend Kunsttherapie, somit weiß ich, dass sich per Computer jede x-beliebige Meinung unterstützen lässt. Eltern auf diese Weise das Recht auf Elternschaft abzusprechen, ist, gelinde gesagt, ein Unding und reine Willkür. Wessen Interessen werden da vertreten?

Das Jugendamt verfügt über psychologische Gutachten unserer Kinder über den Zeitraum von vielen Jahren. Diese alle werden außer Acht gelassen! Warum werden in meinem Fall Zeugen aufgeführt, die meine Familie überhaupt gar nicht kennen? Sie sind schon kurz nach unserer Heirat aus der Gemeinschaft ausgetreten. Sie kennen unseren Sohn nicht und auch nicht unsere Erziehung. Ihre vielleicht in der eigenen Familie gemachten schlechten Erfahrungen werden grob auf die ganze Gemeinschaft projiziert.

Warum benutzt das Jugendamt die Kinder als „Beweisstücke“? Sie werden vom Jugendamt manipuliert, um gegen ihre Eltern auszusagen. Ein illegales Vorgehen. Warum werden unsere Kinder von uns entfremdet, und die Pflegeeltern vom Jugendamt und so genannten Sektenexperten beeinflusst? Warum, Euer Ehren, werden wir von vornherein benachteiligt?

son cutoutWerte Frau Richterin, unser Leben ist ein wunderschönes Leben. Ich würde am liebsten alle unsere Jugendlichen, unsere jungen Menschen, Ihnen vorstellen… dann hätten Sie einen Vergleich und die andere Seite zu den doch sehr einseitigen Darstellungen der sogenannten „Zeugen“. Müssen nicht auch sogenannte „Sektenexperten“ sich ein persönliches Bild von einem Leben machen, das Sie zu beurteilen wagen? Müssten sie nicht über Jahre hinweg studieren, wie es den dort lebenden Menschen geht? Es gibt objektive, wissenschaftlich konkrete Studien über uns, die nicht durch die Brille eigener religiöser Weltanschauung hergestellt wurden.

Intakte Familien sind für uns etwas sehr Schätzenswertes. Es ist traurig, die vielen Familien zu sehen, in denen Kinder – aus welchen Gründen auch immer – vernachlässigt werden und daraus resultierend ihren Eltern und ihrem Umfeld gegenüber mit Respektlosigkeit, Frustration, Ablehnung und offener Rebellion entgegentreten. Als ich die Gemeinschaft kennenlernte, habe ich vorwiegend glückliche Familien angetroffen. Diese Beispiele gaben mir Mut und Hoffnung, dass es doch möglich war, eine intakte Familie haben zu können.

Wenn Eltern sich lieben und eins sind, dann schafft das das beste Zuhause für Kinder.

Am 5. September 2013 wurde mein zweieinhalbjähriger Sohn gewaltsam durch ein großes Aufgebot von Polizei und Sozialarbeitern von mir als Vater getrennt. Das Jugendamt hatte vor diesem Einsatz niemals Kontakt mit meiner Familie, weder schriftlich noch mündlich. Wie kann man da beurteilen, dass die Erziehungsberechtigten versagten oder die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohten?

Nie hat jemand meine Familie kennenlernen wollen, vor dem Einsatz am 05.09.13.

Wir haben keine sogenannten „Sprecher“ ernannt, die mit den Behörden in unserem Sinne verhandelt hätten und die uns dann über irgendeine „Besorgnis“ hätten informieren sollen.

Die Verhandlungen der Behörden mir der Gemeinschaft in Klosterzimmern drehten sich immer um schulische Angelegenheiten.

Ich sehe hier den Artikel 6 des Grundgesetzes verletzt:

1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.
2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetze
von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Die ärztliche Untersuchung auf dem Landratsamt, noch am Tag der Razzia vom 05.09.2013, zeigte keine Spur von Misshandlung bei unserem Kind. In der darauf folgenden Woche besuchten wir eine Ärztin in einem nahe gelegenen Ort, die unseren Sohn untersuchte und die sich über seinen in allen Aspekten guten Zustand freute.

Ketziah cut outAm 9. Dezember, wieder durch einen großen Polizei- und Sozialarbeitereinsatz, wurde mein Sohn, der zu diesem Zeitpunkt noch voll gestillt wurde, gegen seinen Willen auch seiner Mutter gewaltsam entrissen! Mutter und Kind hatten sich, seit dem Einsatz vom 5. September, in der Mutter-Kind-Station eines Jugendheimes befunden. Meiner Frau wurde der Arm verdreht, während das schreiende Kind aus ihrem Arm gerissen wurde. Laut Aussagen eines gleichermaßen betroffenen Vaters, der sofort mit Ihnen telefonierte, wussten Sie, Frau Richterin, nichts von dieser Aktion des Jugendamtes, scheinbar gab es keinen richterlichen Beschluss.

Frau H., Verfahrensbeistand unseres Sohnes, erklärte vor dem Amtsgericht Nördlingen, dass die Fachkraft der Mutter-Kind-Einrichtung ein liebevolles Verhältnis zwischen Mutter und Kind bestätigt – die Mutter sei sehr aufmerksam – gute Mutterqualitäten. Eine Trennung von Mutter und Kind stehe aktuell nicht im Interesse des Kindes.

Warum, Euer Ehren, wird ein 2 1/2 jähriges, stillendes Kind seiner Mutter gewaltsam entrissen, obwohl die so genannte „Gefahr der Beeinträchtigung des Kindeswohls“ ohnehin schon gebannt war? Warum hört das Jugendamt nicht auf den Rat des Kinderanwalts, dass eine Trennung von Mutter und Kind aktuell nicht im Interesse des Kindes stehe? Warum haben alle Mitarbeiter der Mutter-Kind-Einrichtung einen Maulkorb bekommen? Laut Aussage eines Mitarbeiters durfte sich keiner der Mitarbeiter zu den Vorfällen äußern.

Warum dann diese harte Maßnahme gegen meine Familie? Lag dies im Interesse von unserem Sohn, war es zu seinem Wohl? Oder war es nur eine finanziell oder politisch begründete Maßnahme?

Erst viereinhalb Wochen nach der gewaltsamen Trennung von Mutter und Kind, durften wir einen ersten telefonischen Kontakt mit Jesaya haben. Er war nicht in der Lage, mit uns zu sprechen. Die Pflegemutter beschrieb die erste Woche nach der Trennung als „hart“, dass er sich dann aber eingelebt habe. Nach sechs Wochen durften wir ihn zum ersten Mal, unter Begleitung von zwei Jugendamtsmitarbeitern, für eine Stunde sehen. Die Pflegemutter trug unseren Sohn herbei, er klammerte sich an ihr fest. Wir reden vertrauensvoll mit ihm und scheu wagt er es, sich umzuschauen. Der Pfleger, Herr Z., erwähnt: „Auf mich ist er wahrscheinlich nicht so gut zu sprechen.“

War er derjenige, der ihn aus den Armen seiner Mutter riss und ihn fort trug? Ich weiß es nicht, weil man mir den Arm umgedreht hat, so dass ich vornübergebeugt war, während mir das Kind entrissen wurde.

Nach einer langen schmerzhaften Weile, schöpft Jesaya Vertrauen und fängt an, uns die verschiedenen Spiele im Zimmer zu zeigen. Die Stunde ist schnell vorbei und der Abschied fällt uns, wie auch ihm sehr schwer. Die Pflegemutter unseres Sohnes, nannte ihn „einen lieben Kerl“ bei einem unserer ersten Telefonate. Die Umgänge mit unserem Sohn werden jetzt zunehmend schmerzhaft.

Wir erleben eine Entfremdung von uns als seinen Eltern. Auch leidet er unter dem Loyalitätskonflikt. Ihm fehlt das Leben an der Seite von seinem Vater und seiner Mutter.Er freut sich immer, uns zu sehen. Am Anfang eines unserer letzten Umgänge, lief er voller Wucht mitten durch eine große Pfütze, um in meine Arme zu kommen.

Seine Aussagen lassen darauf schließen, dass er versteht, dass ihm etwas böses wieder fahren ist, als er auch noch von seiner Mutter getrennt wurde. „Die bösen Männer haben mich weggenommen.“ Ein anderes mal erklärte er „Ich wohne eigentlich bei Abba und Ima.“(Hebr. für Mama und Papa) Unser Sohn Jesaya hat Vater und Mutter, die sich lieben und zusammen stehen.

Wir wissen, dass wir vorverurteilt wurden und dass das Jugendamt uns nicht normal behandelt! Wir hören z.B. Aussagen vom Jugendamt wie, „ wenn wir uns nicht von den Zwölf Stämmen distanzieren, werden wir unsere Kinder nicht wiederbekommen“. Des weiteren würde das Jugendamt im Normalfall die Rückführung der Kinder anstreben.

In anderen Fällen ist auch der Umgang zwischen Eltern und Kindern bei den Pflegeeltern oder Zuhause normal. Unsere Umgänge werden wie bei Verbrechern stets überwacht.

FamilyWarum, Euer Ehren wurde uns sofort mit der härtesten aller Maßnahmen begegnet? Ein Kind von den Eltern zu trennen, ist die schmerzhafteste für das Kind. Gibt es kein milderes Mittel, wo es doch keine konkreten Beweise für Kindeswohlgefährdung gibt? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Ist sie bedacht worden, vorher oder spätestens nach der Untersuchung im Landratsamt, wo unser Sohn kerngesund war?

Nochmals gesagt, wir haben uns Tag und Nacht um unseren geliebten Sohn gekümmert. Die Würde unseres Sohnes wird nun aufgrund von Verleumdung auf das Äußerste angetastet.

Artikel 1 GG besagt allerdings:

  1. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

  2. Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unveräußerlichen und unverletzlichen
    Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Euer Ehren, Frau Richterin R., ich hoffe, Sie begreifen, zu welcher Entscheidung Sie berufen sind. Mögen Sie auf Ihr Gewissen hören und nicht aus Menschenfurcht dem öffentlichen oder dem politischen Druck entsprechend, handeln.

Pilatus war unter Menschenfurcht. Er entschied wissentlich gegen einen unschuldigen Menschen, obwohl ihm der Sohn Gottes gesagt hatte: „Der mich dir ausgeliefert hat, hat größere Schuld“.

Ich bin nicht „gegen Sie“, geehrte Richterin, aber meine Seele schreit nach Gerechtigkeit und sie wird nicht aufhören zu schreien, bis ich meinen geliebten Sohn wieder in die Arme nehmen kann. Kann mein Sohn von uns ferngehalten werden, nur weil wir Teil der Zwölf Stämme sind?

Hochachtungsvoll,

Peter & Christiane Wetjen