Familie Noah Tlapak –

Ein offener Brief an den Richter des Amtsgerichts Ansbach

IMG_9930bUnsere Herzen schmerzen und es gibt keinen Trost. Unser 1½-jähriger Sohn wurde durch Polizei und Jugendamt am 05.09.2013 von uns weggerissen. Was für ein Schock… Am Tag zuvor war alles noch herrlich und wir hatten keine Ahnung, was für ein krimineller Eingriff uns am frühen Morgen des nächsten Tages erwarten würde.

P1130588aJetzt ist schon ein ganzes Jahr vergangen und Jonathan ist immer noch nicht in seiner natürlichen Umgebung mit uns, seinen Eltern!

Wir haben im April 2011 geheiratet und im Januar 2012 ist Jonathan, unser erstes Kind geboren. Wir sind eine junge Familie und hatten auch vor noch weitere Kinder zu haben. Wir verstehen nicht, warum unsere Familie auf diese Weise kaputt gemacht werden soll?

Wir lieben und schätzen unser erstes Kind sehr und haben immer unser Bestes für ihn gegeben. Dieses Kind ist uns geboren und wir glauben, dass Gott ihn uns Eltern anvertraut hat. Dieses natürliche Recht ist auch durch die deutsche Verfassung geschützt. Jonathan hat das Recht in seiner Familie und von seinen Eltern erzogen zu werden. Er muss doch nicht in staatlichen Institutionen und Pflegefamilien aufwachsen. Es ist der schwerste staatliche Eingriff in eine Familie, Kinder von ihren Eltern zu trennen. Was sind die schwerwiegenden Gründe dafür, dass man so mit uns verfährt?

IMG_4735bEs ist so schmerzhaft und verheerend, Kinder von ihren Eltern zu trennen und es ist nicht im besten Interesse des Kindeswohles unseres Sohnes, dass er von uns getrennt gehalten wird. Mein Sohn versucht, den Schmerz der Trennung mit Essen und Spielzeug zu unterdrücken, aber er fühlt sich in seinem Vertrauen verletzt. Einem 1½-Jährigen zu erklären, dass ein Richter entschieden hat, ihn von uns wegzureißen, ist sehr schwierig. Das Einzige, was er merkt, ist, dass er seinen Vater nur einmal die Woche sehen darf und dann von der Pflegemutter wieder weggerissen wird. Jedes Mal weint er bitterlich und sein Vertrauen wird immer mehr gestört. Pflegeeltern können niemals die leiblichen Eltern ersetzen und die Kinder so lieben und versorgen wie sie.

DAS IST JONATHANS WUNSCH!!!!!!
Datum: 18.08.2014, Uhrzeit: 10:00 Uhr morgens

Heute morgen habe ich Jonathan nach einer Woche wiedergesehen und er hat sich sehr gefreut. Ich habe ihn gebadet und wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Nach ca. 2h wollte ich mich wieder verabschieden. Jonathan fragte nach einem Bonbon, welches ich in meinem Auto hatte. Ich trug ihn zum Auto und gab ihm ein Bonbon. Er war ganz glücklich und ich dachte, dass der Abschied problemlos verlaufen würde. Er stand auf der Außentreppe und ich sagte ihm, dass ich wieder nach Hause fahren muss. Da lief er die Treppe herunter (nur in Socken) und klammerte sich an mich. Ich nahm ihn hoch und versuchte ihn abzulenken und damit zu beruhigen, dass er mich und seinen Vater morgen sehen kann. Ich erklärte ihm, dass er den Richter fragen muss, wenn er mit mir sein will. Doch dies war alles erfolglos. Er schrie: „Ich will mitfahren nach Wörnitz… Nimm mich mit zu Abba“ ……Die Pflegemutter versuchte ihn auch abzulenken und sagte ihm, dass sie später mit ihm auch Auto fährt. Doch Jonathan wollte mit mir mit. Ich lief dann langsam zum Auto, aber Jonathan rannte mir in Socken hinterher und klammerte sich weinend an mich. Er schrie bitterlich: „Nimm mich nach Hause zu Abba…ich will mit DIR fahren“… Ich sagte ich könnte eine kleine Runde mit ihm fahren und ihn wieder am Haus absetzen. Doch das gefiel ihm gar nicht. „NEIN, nimm mich mit zu Abba“, war seine Antwort.
Nach langem hin und her brachte ich ihn ins Haus um seine Nase zu putzen und die Tränen abzuwischen. Dann versuchte ich erneut mich aus dem Haus zu schleichen. Doch Jonathan schrie weiter: „Ich will mit“! Die Pflegemutter riss ihn von mir und lief ins Wohnzimmer.
Ich fuhr dann nach Hause.

Steht nach dem Grundgesetz Art. 6 GG die Familie nicht unter dem besonderen Schutz des Staates und sollten Rechte von Kind und Eltern nicht beschützt und wir in unserer Funktion als Eltern unterstützt werden? Selbst wenn es Besorgnis über unsere Erziehungsfähigkeit gibt, kann dieser nicht mit milderen Mitteln begegnet werden?

IMG_9930bWäre es nicht möglich, dass das Jugendamt unsere Familie regelmäßig besucht, um sich über unsere Erziehung und das Wohlergehen unseres Sohnes zu vergewissern, so wie sie es vor der Inobhutnahme auch getan haben?

Es ist doch das Schlimmste für ein Kind, wenn es nicht mit seinen Eltern aufwächst. Wir sind noch jung und belehrbar. Wir sind sicherlich noch keine perfekten Eltern und mehr als willig Hilfe anzunehmen. Warum also die harte Maßnahme? Wurde bei all dem der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wirklich in Augenschein genommen?

Unser Sohn hat doch das Recht geborgen in einer intakten Familie aufwachsen zu können? Und selbst wenn es Bedenken gäbe über die Erziehung unseres ersten Kindes, gäbe es nicht mildere Mittel uns zu helfen? Muss es die härteste Maßnahme sein für Eltern und Kind, dass wir getrennt werden müssen? Schon vor der Razzia kam das Jugendamt auf uns zu wegen Besorgnis über unsere Kinder, aber es gab nie irgendwelche konkreten Beweise, nur allgemeine Vorwürfe und Anschuldigungen gegen die ganze Gemeinschaft. Aber kann man eine ganze Gruppe Menschen kollektiv beurteilen? Muss man nicht jeden einzelnen Fall betrachten?

Es gab wirklich nie irgendwelche konkreten Beweise für Misshandlung oder Vernachlässigung an unserem Sohn Johnathan, bevor er entführt wurde. An dem Tag, an dem er von uns weggenommen wurde, hat die Amtsärztin ihn untersucht und nichts Auffälliges an ihm gefunden. Zudem wurde er am 6. September 2013 noch einmal bei einem Arzt zur Untersuchung vorgestellt, mit demselben Befund.

Alle Vorwürfe der Aussteiger, die die Inobhutnahme zum größten Teil ausgelöst hatten, haben gar nichts mit uns persönlich zu tun. Wir möchten darauf hinweisen, dass die Aussteiger vor unserer Heirat und auch Jonathans Geburt ausgestiegen sind. Sie kennen also uns als Familie und unseren Sohn und wie wir mit ihm umgehen, überhaupt nicht. Nur weil wir am Georg-Ehnes-Platz 2 wohnten und Teil der Gemeinschaft der Zwölf Stämme sind, wurde unser kleiner Sohn weggenommen.

IMG_4214aDas Wohl unseres Sohnes war nie konkret gefährdet und ist auch in Zukunft nicht gefährdet. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Kinder weil sie in der Glaubensgemeinschaft aufwachsen, Schaden in ihrer Entwicklung nehmen, ganz im Gegenteil! Schauen Sie doch uns und unser Leben an. Oder glauben Sie dem Diplom-Psychologen, der sich mit der Entwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in den Zwölf Stämme Gemeinschaften in Klosterzimmern und Wörnitz aufgewachsen sind, befasst hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass auch keine nachhaltigen Schäden zu beobachten sind, weil diese “einen ausgesprochen souveränen und ausgeglichenen Eindruck machten”.

Wir fragen uns immer wieder: “Warum nimmt man unseren Sohn uns, seinen Eltern, weg, wenn wir ihn doch lieben und ihm Wärme und Geborgenheit schenken? Wir haben unseren Sohn immer von Herzen geliebt und ihn niemals misshandelt!“ Wir beten Tag und Nacht, dass dieses Leiden unseres Sohnes und die Qual der Trennung bald ein Ende hat und wir wieder als Familie vereint werden können. Es gibt keine Beweise gegen uns, die gegen eine Rückführung unseres Sohnes sprechen und die staatliche Inobhutnahme weiterhin rechtfertigen würden.

IMG_4098bSehr geehrter Herr Krüger, deshalb bitten wir Sie, dass uns Jonathan wieder zurückgegeben wird, dass Sie unserer Familie eine Chance geben und wir unserem Sohn all die Wärme, Zuneigung und Geborgenheit geben können, die er braucht, um ein gesunder Mensch zu werden und selbstsicher und gesund aufwachsen kann.

Hochachtungsvoll,

Noah & Mo-Aydah Tlapak