Antwort auf die Pressemeldung des Landratsamtes Donau-Ries über die rechtliche Grundlage der Razzia vom 1. Juli 2014 in Klosterzimmern:

Nachdem ungefähr 100 Polizisten und dutzende Mitarbeiter des Jugendamtes das Anwesen Klosterzimmern am Dienstagmorgen verlassen hatten, wurde im Landratsamt Donau-Ries eine Pressekonferenz abgehalten, um diese erneute Polizeiaktion mit dem Ziel, zwei Mädchen (11 und 12 Jahre alt) wieder der Obhut des Jugendamtes zuzuführen, zu rechtfertigen. Diese Mädchen hatten vor fünf Monaten den Mut und die Tapferkeit an den Tag gelegt, nach Hause zu flüchten, wo sie offensichtlich sein wollen.

Das Landratsamt rechtfertigt die Anwendung von Polizeigewalt gegen die zwei Mädchen durch ein sogenanntes „fachpsychologischen Gutachten“, das ihnen das Recht verwehrt, bei ihren Eltern zu bleiben.

Das Familiengericht hat ein fachpsychologisches Gutachten eingeholt, das im Ergebnis einen Verbleib der Kinder bei seinen Eltern in Klosterzimmern ablehnt“, begründete das Landratsamt Donau-Ries die Aktion. Auf dieser Grundlage habe das Jugendamt aktiv werden können.

(http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Zwoelf-Staemme-nach-Polizeiaktion-Man-will-uns-vernichten-id30428637.html)

Der Gutachter hatte aber weder die Mädchen noch ihre Eltern persönlich begutachtet noch Zeit in der Gemeinschaft verbracht. Er weist die Richterin ausdrücklich darauf hin, dass das Gutachten nur beschränkte Aussagekraft hat, weil ihm wichtige Informationen fehlen.

gutachter_nechonah_01[…] ein umfassendes Sachverständigengutachten, wie von Ihnen beauftragt, kann ich nicht vorlegen, da die Eltern des betroffenen Kindes, […] weder selbst mit mir sprechen wollten, noch einen Zugang zu ihrer Tochter ermöglicht haben. […] Ich muss Sie allerdings auf die beschränkte Aussagekraft einer psychologischen Stellungnahme auf derart eingeschränkter Datenbasis hinweisen.“

Trotzdem kommt er zu der Schlussfolgerung, dass „keine milderen Mittel erkennbar sind.“ Wie ist das möglich? Wenn es keine vernünftigen rechtlichen Grundlagen dafür gibt, die zwei Mädchen wieder mit Gewalt dem Jugendamt zuzuführen – wie kann das Gericht sich dann auf eine so unfundierte Rechtfertigung für eine solch aufwendige Polizeiaktion stützen? Das sprengt jeden Rahmen und ist ganz unverhältnismäßig.

Wenn man derart in das Leben von Kindern eingreift, ihre Rechte verletzt und sie mit Gewalt gegen ihren eigenen Willen von ihren Eltern wegreißen will, sollte man sich dann nicht ganz sicher sein, dass diese Maßnahme richtig, gerechtfertigt und dem Kindeswohl dienlich ist?

Eigentlich müsste das Kindeswohl an oberster Stelle stehen und den gegenwärtigen Gewaltaktionen des Jugendamtes müsste man sofort Einhalt gebieten. Wenn das Jugendamt tatsächlich konkrete Beweise für Kindesmisshandlung in individuellen Familien finden würde, sollte es diesen nachgehen. Aber abgedroschene, haarsträubende Geschichten von Aussteigern, die sich notorisch feindselig äußern, kann man nicht als vernünftige Beweise heranziehen, weil sie -wie wissenschaftlich bewiesen- unglaubwürdig sind (siehe Willms, Bromley, Richardson, Palmer). Kinder in einer sippenhaftähnlichen Aktion gewaltsam von ihren Eltern zu trennen, erinnert auf gruselige Weise an unsere Vergangenheit. Können wir es nicht besser machen?

Wie verdreht ist jemand, der nicht merkt, dass Polizeigewalt gegen den Willen eines gesunden, normalen, zwölfjährigen Mädchens, das keinerlei Anzeichen von Misshandlung zeigt, nicht zu ihrem Wohl ist? Aber das Gericht und das Landratsamt sahen das sogenannte „fachpsychologische Gutachten“ als Grundlage, aktiv zu werden!

Der Psychologe selbst war zu dem Schluss gekommen, dass ein wissenschaftlich seriöses Gutachten mangels Informationen nicht möglich ist.

[…] mit den Mitteln der psychologischen Wissenschaft eine seriöse Bewertung der möglichen Folgen des Einsatz unmittelbaren Zwangs gegen Nechonah als Teil der Gesamtabwägung, [] auf der Basis der vorliegenden Informationen nicht möglich ist.
gutachter_nechonah_02

Er konnte die Betroffenen ja nicht einmal begutachten. Will man auf diese Weise denn absichtlich die Öffentlichkeit falsch informieren? (Moralische Panik wird verbreitet, wenn feindselige Menschen vorsätzlich Anstrengungen verfolgen, Misstrauen und Angst gegenüber religiösen Minderheiten zu schüren. Dieses wissenschaftlich dokumentierte Syndrom wird von Gegnern religiöser Freiheit praktiziert.)

Für die Anordnung von Zwang gegen diese beiden Mädchenfehlt also jegliche vernünftige Grundlage, besonders in Anbetracht der Verhältnismäßigkeit.

Derselbe Gutachter bestätigt in seiner Stellungnahme, dass
eine vorgenommene kinderärztliche Untersuchung des Mädchens eine durchgängig unauffälligen Befund erbracht hatund obwohl nach Misshandlungsspuren gesucht wurde, keine Hinweise gefunden wurden. [] Die Richterin selbst stellte in ihren Anhörungen fest, dass „das Mädchen freundlich, offen und gesprächsbereit war“.

Seit 10 Monaten werden von Presse und Behörden immer wieder Prügel- und Misshandlungsvorwürfe vorgebracht, die sich in keinster Weise bewahrheitet haben. Tatsächlich können wir auf eine siebenjährige kooperative Zusammenarbeit mit den Behörden zurückblicken. Anhand zahlloser Leistungsstandkontrollen, psychologischer und gesundheitlicher Untersuchungen wurde immer wieder bestätigt, dass unsere Kinder bei uns fröhlich und glücklich waren.

Was braucht man mehr an „Fachgutachten“?

Offenbart dies nicht eine Unwilligkeit, die Wahrheit zu hören? Woher rührt dieser Druck, die Familien der Zwölf Stämme Gemeinschaft in Klosterzimmern zu zerstören, wenn wirklichüberhaupt keine Kindeswohlgefährdung vorliegt? Aber das Gericht beharrt auf seiner Auffassung, dass man die Kinder vor ihren Eltern schützen muss. Bei wem können die beiden Mädchen Schutz vor weiteren gewaltsamen Übergriffen von Seiten des Jugendamtes suchen?