In diesem Beitrag beleuchte ich den zweiten Teil des Berichts von Tagesspiegel.de.

Tagesanzeiger.de schreibt: …Etwa 15 größere Häuser stehen hier, hinzu kommen Schuppen, Wirtschaftsräume, Treibhäuser, jede Menge Ackerland. Die Sekte beruft sich auf das in der Bibel beschriebene „Zwölfstämmevolk Israel“. Sie würden leben, sagen sie, „wie die ersten Jünger der Urkirche, die ihre Karriere und ihren Besitz hinter sich ließen“. Im alttestamentarischen Buch der Sprüche heißt es: „Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.“ 80 bis 100 Menschen leben in Klosterzimmern. Zwei Männer kommen jetzt hinzu. „Sie dürfen nicht rein“, sagen sie, „wir reden nicht mit der Presse, ihr schreibt doch nur Lügen.“…

Der etwas wirre Absatz sagt wenig aus und beinhaltet fünf eigenständige Themen. Im letzten Satz macht der Schreiber offenbar einen Sprung aus Erzählung zu einer aktuellen Gegebenheit vor Ort.

Früher durfte in Klosterzimmern jeder rein die Menschen waren offen und freundlich. Jetzt gibt es Barrieren und ist jeder ein potentieller Feind.

Danke Presse! Das hast Du geschafft!

Tagesspiegel.de schreibt: …Nicht nur die Presse, auch die staatlichen Schulen lehnt die Sekte ab…

Presse: Sie lehnen die Presse nicht per se ab, was die Vergangenheit gezeigt hat. Aber die perversen und perfiden Menschen die Journalisten sein sollen, angetrieben von niedrigen Beweggründen wie Geldgier, Hass und Neid, jedes Vertrauen missbrauchend, diese lehnen sie ab. Da man offenbar niemandem mehr trauen kann ist das eine verständliche Abwehrreaktion. Die Frage bleibt offen, wie erkennt man einen seriösen Journalisten?

Schule: Die Schule ist für die Zwölf Stämme nichts autonomes. Die Schule ist Teil ihres Glaubens und soll, eingebettet ein Teil ihres Lebens sein und besonders auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind sowie den Glaubensgeschwistern stärken. Dabei haben sie ihre Kinder immer unterrichtet und mit aller Kraft dahingehend gearbeitet, dass sie mit der öffentlichen Schule konkurrenzfähig sind. Das ist keine Behauptung von mir, es ist eine Tatsache, die man getrost überprüfen kann; An den Schulabgängern der Zwölf Stämme.

Tagesspiegel.de: …Christian Reip hat eine Bescheinigung, dass er die Schulpflicht erfüllt… Es bedeutet, dass er keinerlei Abschluss hat, nicht einmal die Hauptschule…

“Hast Du Deine Mankos nachgeholt? War nicht so Deine Sache, die Schule? Aber jetzt kannst Du ja zeigen, was in Dir steckt und nachholen was Du verpasst hast. Da kannst Du ziemlich sicher sein, wenn Du die öffentlichen Schule besucht hättest, wärst Du jetzt noch schlechter dran.”

Christian Reip sagt: …Die einzige ausgebildete Lehrkraft sei für einige Zeit ein Gymnasiallehrer gewesen. Ansonsten wurde der Unterricht von Hebammen und Erzieherinnen gehalten…

“Ich kenne keine Lehrer, die für Dich hätten lernen können. Man muss nun einmal selbst lernen und Du hast den gleichen Lernstoff erhalten wie alle anderen. Wenn Du eine Lernschwäche hattest, vielleicht hättest Du von der öffentlichen Schule einen Lehrer erhalten, der nur für dich in der Schule sitzt und Dich lernt. Leider hilft auch das meistens nur wenig.”

Christian Reip sagt: Wie oft in der Woche wurden Kinder geschlagen? Christian Reip lacht: „In der Woche? Jedes Kind praktisch täglich.“ Auf die offenen Hände oder den nackten Po. Eine der Unterrichtenden umwickelte ihre Ruten mit Tesafilm. „Damit sie mehr wehtun und länger halten.“…

Das finde ich überhaupt nicht zum lachen! Wenn Du nicht Wer, was und Wo nennst kann das nicht überprüft werden und kann deshalb als Lüge betrachtet werden. Rück schon Raus! Wer, was und Wann sonst interpretiere ich dein Lachen als hämisches Lachen Deine ehemaligen Freunde “zur Sau” zu machen.

Christian Reip sagt: …als Reip sich mit 13 Jahren weigerte, das aus dem Judentum übernommene Fest der religiösen Mündigkeit, die Bar Mizwa, zu feiern. Er rebellierte. „Ich habe denen gezeigt, dass ich damit nichts am Hut habe…

Nun das finde ich OK. Glaube ist an Glaubensfreiheit gebunden und das steht über allem. Christian Reip wollte nicht dort leben, die Eltern schon. Das kann Probleme geben. Ein “Unruhestifter” wie Christian Reip kann dem Leben das die Gruppe führen möchte arg zusetzen. Auch die strengen Regeln wollte Christian Reip nicht. Auch das kann ich gut nachvollziehen.

Christian Reip sagt: Die Mutter stand zu den Kindern, auch sie wollte gehen. Der Vater war hin- und hergerissen, er hatte Angst vor der Zukunft draußen in der Welt…

Wenn man bedenkt, dass die Gemeinschaft auch die Existenz bedeutete ist ein Ausstieg schwierig. Es muss eine Arbeit gefunden werden, die die Existenz abdeckt, was bei einem Handwerkerlohn und so vielen Kindern schwierig ist.

Wenn diese Existenz nicht abzudecken ist, sind die Behörden gefragt eine solche Familie zu begleiten. Das es in einer Gemeinschaft nicht funktioniert sehen wir täglich und ist nichts, was diese Gemeinschaft explizit betrifft. Man kann nur die Ehescheidungen anschauen und sieht, dass die Hälfte der Bevölkerung “inzwischen” beziehungsunfähig ist.

Tagesspiegel.de schreibt: Für die Augsburgerin Barbara Kohout, die Sektenaussteigern Hilfe anbietet, sind die „Zwölf Stämme“ eine typische „Religionsdiktatur“

Ich widerspreche Frau Kohout, wir werden immer von etwas oder jemandem gelenkt oder diktiert. Eine Diktatur würde jedoch auch bedeuten, dass man keine Wahlfreiheit hat. Niemand muss bei den Zwölf Stämmen dabeisein und für die, die dabei sind, ist es das, was sie mit ihrem Leben machen wollen.

Christian Reip: …Es ist einsam, kennt niemanden…

Willkommen in der Welt! Hier ist es einsam, hier fragt niemand nach Dir. Hier lebt und stirbt man einsam und verlassen. Aber glücklicherweise tröstet uns RTL und Co. jeden Abend.

Die Du gekannt hast, über die wetterst du nun unaufhörlich. Das ist keine gute Art. Viele haben sehr viel Zeit in Dich investiert, es hat Dir weder an Nahrung noch Kleider gefehlt, hattest ein Dach über dem Kopf und Menschen die dich täglich unterrichtet haben. Und so dankst Du es ihnen?

Muss jeder der die Aufnimmt damit rechnen, von Dir fertiggemacht zu werden, wenn Du mit ihm fertig bist? Wer will dieses Risiko eingehen? Ich rate Dir an Deinem Charakter zu arbeiten, zu vergeben und selber Verantwortung zu übernehmen. Deine Verbitterung wird dich sonst kaputtmachen. Schliesse Frieden mit Deinen Eltern. Dann bekommst Du auch Ruhe.

(übernommen von: http://agrippino.com/2014/06/18/teil-2-rezension-zum-bericht-im-tagesspiegel-vom-17-06-2014-christian-reip-erzahlt-immer-wieder-seine-geschichte-mit-den-zwolf-stammen/)