Sehr geehrte Frau Richterin Roser,

wir möchten Sie anlässlich des näher rückenden Pfingstfestes eindringlichst bitten, unsere Kinder heimkehren zu lassen. Das Pfingstfest bzw. „Wochenfest“ und auf Hebräisch „Schawuot“ ist eines der 3 Hauptfeste, welches unser Schöpfer uns ausdrücklich geboten hat zu feiern. Es handelt sich hierbei um ein Familienfest, welches zu halten eine „ewig gültige Ordnung“ ist. Ewig gültig bedeutet, dass dieses Fest keineswegs an Bedeutung verloren hat, selbst in unserer scheinbar so fortschrittlichen Zeitepoche, in der der Schöpfer im Bewusstsein vieler Menschen keinen Stellenwert mehr hat.

Der Zentralrat der Juden formuliert dieses Fest folgendermaßen:

Am 6. und 7. Siwan findet das Wochenfest (Schawuot) statt. Es hat – wie die beiden anderen Wallfahrtsfeste – eine doppelte Bedeutung, eine auf die Natur bezogene und eine historische. In der biblischen Zeit war Schawuot nur das „Fest der Erstlinge“ und es wurden an diesem Tag im Jerusalemer Tempel zwei Weizenbrote geopfert, die aus dem Mehl der neuen Ernte hergestellt worden waren. Auch die Erstlinge anderer landwirtschaftlicher Produkte durften erst von Schawuot an als Opfer dargebracht werden. An dieses mit dem bäuerlichen Leben verknüpfte Fest der Erstlinge erinnert noch heute der Brauch, zu Schawuot die Synagogen mit frischem Grün und mit Blumen auszuschmücken.

Von weit größerer Bedeutung ist der religiös-historische Inhalt des Wochenfestes geworden. Nach der talmudischen Überlieferung ist Schawuot die Zeit der Verkündung der zehn Gebote am Berg Sinai, des ersten umfassend formulierten Sittengesetzes in der Geschichte der Menschheit, das sich auf eine als ewig gesetzte Norm gründet. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruht der Bund zwischen Gott und dem Volke, das von Gott erwählt wurde, einen besonderen Auftrag zu erfüllen: die göttlichen Gebote zu befolgen und sie in der Welt zu verbreiten. Die Erwählung Israels, die Vorstellung von der besonderen Rolle der Juden besteht in der Erfüllung dieser speziellen Aufgabe- als ein heiliges, Gott verpflichtetes Volk zu leben, stellt also eine besondere Verpflichtung dar. In diesem Sinne ist die Formulierung „auserwähltes Volk“ zu verstehen, nicht aber bedeutet sie ein Vorrecht der Juden gegenüber anderen Menschen.“

Genau wie die Juden sehen auch wir die dringende Notwendigkeit, diese vom Schöpfer „ewig gesetzte Norm“, nämlich seine Gebote, zu erfüllen und sie in der Welt zu verbreiten. Wir glauben in der Tiefe unseres Herzens, dass diese 10 Gebote eine ewig gesetzte Norm sind. Das Halten dieser Norm ist Grundlage eines gottgefälligen Lebens. In einer Zeit, in der Moral und Sittlichkeit einem kontinuierlichen Verfall ausgesetzt sind, ist die Verpflichtung zur Verbreitung dieser Normen zeitgemäßer denn je.

Im 3. Mose 23,21 („Das ist eine ewig gültige Ordnung in allen euren Wohnorten für eure [künftigen] Geschlechter“) steht unwiderruflich geschrieben,

1.) dass diese Ordnung ewig gültig ist,

2.) dass sie an den Wohnorten abgehalten werden soll und

3.) dass sie für alle künftigen Geschlechter ewig gültig ist.

Wir, die Familien der Gemeinschaft der Zwölf Stämme in Klosterzimmern, sind Nachfolger des Sohnes Gottes, den wir bei seinem hebräischen Namen Jahschua nennen.

Wie uns in den Evangelien vom Sohn Gottes befohlen wurde, haben wir – genau wie Petrus, Johannes und die anderen Apostel – alles aufgegeben, um ihm nachzufolgen. Dadurch sind wir Teil der Wiederherstellung aller Dinge geworden, auf die der Sohn Gottes sehnsüchtig wartet. (Apg. 3,21)

Wir verstehen uns als Frucht davon, dass der Sohn Gottes für unsere Sünden gekreuzigt wurde und für uns drei Tage und Nächte im Tod bezahlt hat. Danach hat Gott ihn dem Tod wieder entrissen und auferweckt und er ist in den Himmel aufgefahren, um seinen Geist auf die Apostel auszugießen, damit diese imstande wären, seinen Auftrag in Matth. 28,16-20 zu erfüllen.

Dieses Ausgießen des Geistes ist damals zur Zeit von Schawuot in Jerusalem geschehen und hatte spektakuläre Folgen: Von einem Tag zum nächsten entstand genau dort in Jerusalem explosionsartig ein blühendes, überfließendes Gemeinschaftsleben (Apg. 2,44). Alle, die an dem Tag gläubig geworden waren, liebten ihren Erlöser so sehr, dass sie gar nicht anders konnten, als jeden Tag seinen Aposteln nahe zu sein und alles von ihnen zu lernen, was der Sohn Gottes auch diese gelehrt hatte. Sie waren so sehr ein Herz und eine Seele und so von seiner Liebe gefesselt, dass sie alles aufgaben, was sie an Besitz hatten. Von da an lebten sie miteinander und verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel wie er nötig hatte. (Apostelgeschichte 2,44-47 und 4,32-35 )

Sie waren sozusagen die „Erstlingsfrüchte“ davon, dass der Heilige Geist mit Macht auf die Apostel ausgegossen worden war. Es war der Anfang der Erfüllung einer Prophezeiung aus dem Alten Testament: “Ich werde meinen Geist ausgießen…deine Söhne und Töchter sollen prophezeien und deine jungen Männer sollen Visionen sehen“) (Joel 3,1)

Schawuot“ bedeutet im Hebräischen auch das „Fest der ersten Früchte“ und jenes bedeutungsvolle Pfingsten in Jerusalem war tatsächlich der Anfang dessen, wovon der Apostel Paulus später in seiner Verteidigungsrede vor König Agrippa sprach: der Beginn der Wiederherstellung der zwölf Stämme Israels (Apg. 26,7) – einer neuen, geistigen Nation, die dafür zur Seite gesetzt war, „… die Tugenden dessen zu verkünden, der euch aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht „ berufen hat, „ein heiliges Volk, ein Volk zu Seinem eigenen Besitztum“… (1.Petr. 2,9)

Wie jedoch in den Briefen des Neuen Testamenten mitzuverfolgen ist, nahm das Licht dieses gemeinsamen Zeugnisses von Menschen, die alles füreinander aufgaben, um den Schöpfer und einander täglich mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu lieben und füreinander zu sorgen, mit der Zeit mehr und mehr ab. Am Ende blieben von dem einst so vibrierenden Leben nur noch Rituale und Dogmen übrig und der Geist konnte nicht mehr in ihrer Mitte leben. (Offb. 2 und 3)

Der Prophet Joel prophezeite, dass die Absicht Gottes seither auf Fortsetzung wartet in einer Zeit, in der er erneut seinen Geist auf alles Fleisch ausgießen wird und „eure Söhne und Töchter weissagen, eure Ältesten Träume haben werden und eure jungen Männer Visionen sehen werden. Auch über eure Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen…“ (Joel 3,1-2)

Es ist für uns also von allergrößter Wichtigkeit, dieses Pfingstfest gemeinsam mit unseren Kindern zu feiern. Schließlich ist es uns ausdrücklich geboten, „es unseren Kindern weiterzuerzählen“ (Joel 1,1-3), um sie an die Verheißungen des Schöpfers zu erinnern. Auch sollen wir sie lehren, ihr Herz ihren Eltern genauso im Gehorsam zuzuwenden, wie ihre Eltern ihr Herz dem Schöpfer im Gehorsam zuwenden – damit unsere Liebe für unseren Schöpfer und für einander nicht erkaltet, sondern heiß und innig brennt.

...“denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, 
die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott herzurufen wird.“ 
(Apg. 2,39)

Vor dem Hintergrund der grundrechtlich garantierten, ungestörten Religionsausübung ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass Sie unseren Kindern seit nunmehr fast 9 Monaten dieses Recht der freien Religionsausübung gemeinsam mit ihren Eltern verwehren. “Künftige Geschlechter” das sind unmissverständlich die Nachkommen, also die Kinder, welche derzeit von ihren Eltern getrennt sind.

Ihre bisherigen Beschlüsse erwecken den Anschein, dass Sie sich über die Ordnungen des Schöpfers von Himmel und Erde hinwegsetzen.

In den letzten Jahren haben unsere Kinder mit Eifer und großer Freude an der Vorbereitung und Durchführung des Festes auf unserem Gelände mitgewirkt. Dieses Jahr haben wir am Vormittag wieder einen Umzug mit all unseren „Erstlingsfrüchten“ durch Klosterzimmern geplant. Im weiteren Verlauf des Tages wollen wir gemeinsam Spiele spielen, ein gemeinsames Essen einnehmen und den Abend mit fröhlichen Kreistänzen, Musik und Gesang ausklingen lassen.

Deshalb beantragen wir, dass unsere Kinder am Sonntag, den 08. Juni von 10 bis 20 Uhr mit uns das Wochenfest im Kreise der Familie in Klosterzimmern feiern können.