Chassidah mit ihrer Freundin Nechonah...

Chassidah mit ihrer Freundin Nechonah…

Am 11.Februar 2014 – einen Tag nach ihrem elften Geburtstag – flüchtete Chassidah nach sechs langen Monaten, die sie in einem Heim für Schwererziehbare verbracht hat zurück zu iher Familie nach Klosterzimmern.

Jetzt soll sie wieder zwangsweise zurück überführt werden….wegen dringender Gefahr, die mit dem Kindeswohl nicht vereinbar sei…

Folgend ein Brief der Eltern an das Amtsgericht in Nördlingen.

Sehr geehrte Frau Richterin Roser, – 29.03.2014

hiermit möchte ich zu dem Schreiben von Frau Kundinger bezüglich der Herausgabe unserer Tochter Chassidah Stellung nehmen.

Herausgabe des Kindes vom LRA Donau-Ries

Antrag auf Herausgabe des Kindes vom LRA Donau-Ries

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich bis jetzt mit Frau Kundinger noch nie ein Wort persönlich geredet habe. Ich frage mich, wie jemand zu einer solchen Schlussfolgerung kommen kann, dass zu befürchten wäre, „dass die Familie Markeli sich ins Ausland absetzen könnte, so dass Eilbedürftigkeit einer vorläufigen Anordnung gegeben ist.“

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich das Jugendamt auf Annahmen stützt, als ob es Tatsachen wären. Dabei sind diese Sachen aus der Luft gegriffen und verleumderisch.

In meinem Gespräch mit dem Ergänzungspfleger und dem Jugendamt am 14.3. 2014 habe ich erklärt, dass ich mich nicht in der Lage sehe , gegen das Gewissen und den erklärten Willen meiner Tochter zu handeln und sie in eine Anstalt zurückzuführen, in der sie nicht leben will.

Meine Tochter hat seit sechs Monaten beständig gegenüber Erziehern im Heim, den Lehrern ihrer Schule, gegenüber ihrem Verfahrensbeistand, dem Jugendamt, ihrem Ergänzungspfleger sowie dem Gericht selbst ausgedrückt, dass sie dorthin zurück möchte, wo ihr Zuhause ist: zu ihrer Familie nach Klosterzimmern.
Brief_Chassidah_270214

Entgegen den Annahmen des Jugendamtes wurden an ihr niemals irgendwelche Spuren von körperlicher Misshandlung gefunden und ihre klaren Briefe sowie das Zeugnis ihrer Lehrer und Erzieher zeigen, dass sie auch keinerlei psychische Misshandlung von seiten ihrer Eltern oder der Gemeinschaft erfahren hat. Im Gegenteil – sie ist ein aufgewecktes Mädchen mit Herz und Zivilcourage.

Zunehmend belastend war für Chassidah jedoch die beständige Weigerung des Jugendamtes, ihrem Wunsch nach Kontakt mit ihrer engeren Familie nachzukommen.In ihren Briefen an das OLG vom 18.Feb. 2014 und 12.März 2014 tritt klar hervor, dass sie mit Drohungen vonseiten des Jugendamtes nach totaler Kontaktsperre nicht leben kann.Brief ChassidahMarkeli 2014-03-12 OLG Brief SchifkatjahIn meinem Brief an den Jugendamtsleiter Herrn Kanth vom 23.März 2014 ist beschrieben, dass Drohungen und psychischer Druck eine Praxis des Jugendamtes ist, die nicht nur bei Chassidah angewandt wurde,sondern auch gegenüber unseren inzwischen entlassenen Söhnen und auch vielen der anderen Kindern unserer Gemeinschaft.

Ein Heimleiter gestand erst vor kurzem einem betroffenen Vater, dass er noch nie eine solche Härte in den Bestimmungen des Jugendamtes angetroffen hätte, wie im Fall der Kinder der Zwölf Stämme.

Aus verschiedenen Briefen unserer Tochter geht hervor, dass sie an Sie ,geehrte Frau Richterin, als Vertreterin des Gesetzes appelliert, um die Rechte gewährt zu bekommen, die ihr von der Verfassung her garantiert sind.

Zu ihrer Situation in der Anstalt des Antonia-Werr-Zentrums hat sie folgendes ausgedrückt:
Sie kann ihre Religion nicht ausüben.

1. Darunter versteht sie unter anderem das Halten der jüdischen Feste wie dem Paschafest und die damit anschließend verbundene Woche der Ungesäuerten Brote, Pfingsten, das Versöhnungsfest, das Laubhüttenfest, den wöchentlichen Sabbat und die täglichen morgendlichen und abendlichen Versammlungen.

Schon in ihrem Brief, den sie an Weihnachten geschrieben hat, als sie alleine in der Anstalt zurück bleiben musste, heißt es dazu:
Mich hat es erstaunt, in der Schule hier im Fach Ethik zu hören, dass jeder in Deutschland seine eigene Religion wählen darf und sie ausüben darf.
Ich will meine Religion auch ausüben.
Für mich heißt seine Religion ausüben nicht nur in der Bibel zu lesen, sondern auch das zu machen, was in der Bibel drin steht.
Zum Beispiel, dass ich meine Eltern ehre, wie es in Epheser 6 steht.
Ich ehre meine Mutter, indem ich mich um sie kümmere.
Bei dem Hochzeitstag meiner Eltern, der vor ein paar Tagen war, konnte ich noch nicht mal dabei sein.
Ich kann hier auch nicht den Sabbat einhalten, wie es in der Bibel in 1. Mose 2 steht.
Ich kann auch nicht das Paschafest einhalten zusammen mit meinen Eltern.
Ich bin außerdem eine Bat Mitzvah. Das heißt, dass ich in meinem Gewissen weiß, dass ich meine Eltern ehren will. Und ich warte nur noch auf mein Fest.
Ich glaube an Gott und an die Bibel.
Ich will Gott treu sein, hier kann ich das nicht machen.
Lasst mich in die Gemeinschaft zurück!“

In den sechs Monaten im Antonia – Werr – Zentrum hat sie in der Anstalt von sich aus einen ganz klaren Stand bezogen und weder an den Gottesdiensten noch an religösen Zermonien dort teilgenommen. Sie hat konsequent sicher gemacht, dass sie nur kosher isst und hat sich gewisser Aktivitäten enthalten, an denen sie aus eigener Gewissensüberzeugung nicht teilnehmen konnte wie zBsp. dem Singen im religiösen Chor.
In ihren Briefen an das Gericht hat sie klar zum Ausdruck gebracht, dass sie in der Anstalt, in die sie vom Jugendamt gesteckt wurde, die Religionsfreiheit, die ihr von unserer Verfassung her garantiert ist, nicht ausüben kann.

2. Weiter teilt sie in ihrem Brief mit, dass es ihr nicht möglich ist, von ihrem Gottgegebenen Recht Gebrauch zu machen, ihre Eltern zu ehren. In ihren Briefen schreibt sie ganz klar, dass sie ein Recht auf ihre Eltern hat.

Brief_Chassidah_280214Sie schreibt diesbezüglich am 28.Feb.2014 an Herrn Richter Prexl vom OLG:
Gott hat jedem Kind Eltern gegeben und es ist mein Recht, dass ich Eltern habe, die sich um mich kümmern.
Dieses Recht hat Gott jedem Menschen gegeben.
Gott hat auch jedem Menschen ein Gewissen gegeben und jedes Kind weiß, wohin es gehört.
Ich gehöre einfach zu meinen Eltern und meinen Geschwistern.
Ich halte es im Heim nicht mehr aus.
Ich will endlich nach Hause.
Hier ins Heim gehören nur Kinder hin, die sich verändern sollen…

Sehr geehrte Frau Roser, nach sechs langen Monaten ist Chassidah nach wie vor entschlossen mit uns Eltern in Klosterzimmern zu leben.
Sie hat uns in dieser Zeit nicht ein einziges Mal besuchen dürfen. Ihren wiederholten Anfragen, dass ihre Eltern oder Geschwister sie öfters besuchen könnten, wurde (außer einem Mal an Weihnachten und einem einmaligen Besuch ihres Bruders Chayah) nie statt gegeben.
Die anderen Mädchen im Heim durften regelmäßig über die Wochenenden und zu den Ferien nach Hause fahren. Sogar ein Mädchen,das seine Lehrerin krankenhausreif geschlagen hat.
Aber Chassidah, die nie etwas Schlimmes gemacht hat, durfte nie zu ihren Eltern.

Brief_Chassidah_170214Dies hat sie in mehreren Briefen – unter anderem an das Oberlandesgericht – beschrieben.
Wie lange wird es noch dauern, bis ich endlich nach Hause komme?
Ich warte dringend auf Ihren Beschluss! Je länger man mich hier ins Heim steckt, desto mehr will ich nach Hause.
Als ich am 5. September 2013 mit allen anderen Kindern von meinen Eltern verschleppt wurde und in Heime verteilit wurde, kam ich hier im Heim mit Sarah Remache in den Jugendschutz.
Wir beide kamen uns vor wie Schwerverbrecher.
Im Jugendschutz durften wir garnichts machen.
Wir durften nicht einmal raus gehen. (Anmerkung: sie befanden sich dort fünf Wochen)
Jetzt bin ich in einer Gruppe wo Mädchen sind, die ihre Lehrer geschlagen haben bis sie im Krankenhaus lagen und lauter so schlimmes Zeug. Alle Mädchen in meiner Gruppe dürfen nach Hause gehen, egal ob sie ihrer Lehrerin den Nasenflügel gebrochen haben oder nicht.
Sie dürfen alle nach Hause.Und ich,die sich nie geprügelt hat mit anderen Mädchen darf nicht nach Hause….“

Einen Menschen gegen seinen Willen an einem Platz zu verwahren, ist für den Betroffenen wie ein Gefängnis.

Das Jugendamt ist in diesem Bezug nicht auf das Wohl meiner Tochter Chassidah bedacht.
Wenn man vom „ Wohl des Kindes“ spricht, hat man doch einen Menschen vor sich und nicht nur eine rechtliche Streitsache. Vor allem muss damit auch das seelische und geistige Wohl des Kindes – besonders sein Gewissen – gemeint sein.
Jeder Mensch wird einmal danach beurteilt werden, wie er sich seinem Gewissen gegenüber verhalten hat. Welche Entscheidungen er trifft, die gegen oder mit seinem Gewissen stehen, bestimmt sein ewiges Schicksal. Deswegen hält unser Schöpfer auch die Eltern dafür verantwortlich, inwieweit sie die Stimme des Gewissens in ihren Kindern bestätigen und kräftigen oder verleugnen und zum Verstummen bringen. Wir Eltern sehen uns hier in einer direkten Verantwortung Gott gegenüber, der uns diese Kinder anvertraut hat.
Wir glauben, dass Gott ein Gott der Familien ist.

3. Entgegen der Annahme des Jugendamtes hat Chassidah – als sie vom OLG dazu befragt wurde – ganz klar geantwortet, dass sie KEINE ANGST habe, nach Hause zurückzukehren.
Dass eine große Gefahr darin bestehen soll, Chassidah zuhause zu lassen, ist nicht begründet.

4. Das Gericht hat richtigerweise festgestellt, dass wir Eltern unsere Kinder lieben und unsere Kinder uns lieben. Das Jugendamt hat dies in keinster Weise gewürdigt.

5. Chassidah wurde am 28.März 2014 von einem Kinderarzt untersucht. Sie ist gesund und froh zu Hause zu sein.

Zum Schluss möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass es in der Einrichtung, in der Chassidah untergebracht war, viele Einflüsse gibt, denen einige der Jugendlichen unterliegen und die sie auch an andere Kinder, wie meine Tochter Chassidah, herangetragen haben.
Andere sexuelle Ausrichtungen für ihr Leben, mit denen sich meine Tochter nicht identifizieren kann und will.

Meine Tochter hat – von ihrem Gewissen her – ein Recht darauf, eine Frau zu sein und später einmal als Ehefrau eine Familie zu gründen. Sie hat ein Recht darauf ,vor solchen Beeinflussungen, die sie nicht erwünscht, beschützt zu werden. Dies kann in solchen Anstalten jedoch nicht gewährt werden.

Wir Eltern haben – wie Sie auch schon ganz richtig in Ihrem Beschluss geschrieben haben – eine Schutzfunktion für unsere Kinder. Daher sehen wir uns nicht imstande, der Forderung des Jugendamtes nachzukommen und unsere Tochter gegen ihren Willen und ihr Gewissen dazu zu zwingen , dorthin zurückzukehren, woher sie zu uns geflohen ist.
Eine gewaltsame Herausnahme würde meine Tochter keineswegs in dem Glauben und Vertrauen stärken, dass das Gericht sich für ihr Wohl einsetzen würde.
Wir möchten Sie daher dringend bitten, nochmals alle Umstände zu erwägen und von einer zwangsweisen Rückführung unserer Tochter in eine Einrichtung des Jugendamtes abzusehen.

Detlef & Christine Markeli