Ein wahres Schicksal – Deutschland 2013-2014

Screenshot from 2014-02-23 22:14:07Sie fühlte sich wie in einem Gefängnis.
Man hatte versucht, sie umzuerziehen in einer vom Jugendamt bestellten Pflegefamilie. Alles, was mit ihrem vorigen Leben in den Zwölf Stämmen zu tun hatte, sollte sie nun vergessen, und „das Versäumte kennen lernen und nachholen“. Niemand glaubte ihr, niemand sagte etwas Gutes über ihre Eltern oder ihre Freunde.

Die Welt ist wie verdreht.
Sie musste im Untergrund leben – heimlich ihre Briefe lesen und schreiben. Sie musste sich anders anziehen, anders essen, anders benehmen…

Sie vermisst ihre Freundinnen, mit denen sie vorher ihre Schul- und Freizeit verbracht hatte.

Man warf der Gemeinschaft das vor, was sie jetzt in ihrer „neugewonnen Freiheit“ erfahren musste – alle Kontakte mit ihren Freundinnen wurden ihr verwehrt, sie darf noch nicht mal Briefe von ihnen bekommen.

Besuch gibt es nur alle vier Wochen für eine Stunde in der kalten, überwachten Atmosphäre des Jugendamtes und einmal in der Woche einen 10- minütigen Telefonkontakt.

Man versucht sie zu zwingen, dass sie Leber isst. Sie reißt sich vom Tisch hoch, sie ist am Ende. Herr Singer vom Jugendamt erläutert dazu: Man wollte nur ihre Blutwerte verbessern. Obwohl alle es wussten, dass Nechonah so etwas wie Blut und Blutorgane nie gegessen hat und nicht essen wollte, haben sie es bagatellisiert.

Sie kann es nicht mehr aushalten, besonders als man dann ihren kleinen Bruder von ihr trennt. Ohne Grund.

Nur weil ich meinem Bruder gesagt habe, er soll mit der Schokolade aufpassen. Ist das eine schlechte Beeinflussung gewesen? Da steckte doch was anderes dahinter, sie haben es eh schon geplant gehabt. Die andere Pflegetochter hatte es ja am Telefon mitbekommen, sie wollen meinen Bruder von mir trennen.
Am Freitag hatte ich Kopfschmerzen in der Schule, ich wusste nicht, wann sie es tun würden. Ich fragte die Lehrerin, ob ich zurück fahren kann. Jetzt liege ich im Bett, die Pflegemutter kommt einfach rein und denkt ich schlafe. Sie packt die Sachen meines Bruders in den Koffer…
Oh, wie schrecklich alles ist, ich konnte es meinem Bruder nicht sagen…
Er hat sich gewehrt, geschrieen, geweint…
Ich war doch ehrlich gewesen vor Gericht, aber vielleicht wollten die ja auch nur das Schlechte sehen und nicht wirklich mein Herz hören.“

Ich kann das alles nicht verstehen.

Sie rennt um ihr Leben und schafft es, bei ihren Eltern anzukommen und kann all den monatelang angestauten seelischen Schmerz bei ihren Eltern abladen.

Die Eltern sind betroffen und zutiefst bestürzt, jetzt wird Frau Richterin Roser doch einlenken müssen. Aber nichts passiert.

Screenshot from 2014-02-23 22:17:31Das Jugendamt wartet schon, es gibt viele Heime und viele Pflegefamilien.
Aber für mich gibt es nur
EIN Zuhause.

Im Kinderheim angekommen, werde ich ständig gemobbt und es ist schwer, einen vernünftigen Kontakt zu finden. Ich ziehe mich auf mein Zimmer zurück, wenn die Jungs aus meiner Gruppe über mich herziehen. Einer hat mich voll auf dem Kieker. Er hat mir gedroht mich umzubringen. Ich schreibe Briefe oder beschäftige mich anderweitig in meinem Zimmer.

Ist das alles zu meinem Wohl, kommt mir der Gedanke, als ich gerade einen Bogen um den Jungen mache, damit ich nicht mit ihm zusammen stoße.
Ich will hier nicht sein!

Das Wohl, das Wohl des Kindes. Wie ein dumpfer Klang, der sich ständig wiederholt, wie der Widerhall der Schritte, wenn man eine kalte Steintreppe hinuntergeht. Ist das worum es hier geht?
Ein unheimlicher Druck lastet auf mir. Ich kann kaum atmen – mein Vertrauen in die Gerichte und Rechsanwälte und das Jugendamt ist am Ende.
Es geht gar nicht um mich. Sie haben doch von Anfang an gesehen, dass ich hier zu Grunde gehe.
Manchmal ergreift mich die Angst und alles ist weg – die Vertrautheit meiner Eltern, mein Bruder, meine Freundinnen, mein Leben – alles hat man mir genommen. Ist das Freiheit, dass sie mich in ein Gefängnis gesteckt haben und wieder stecken werden?

Ja, es gibt viele Pflegefamilien und Heime, sagt das Jugendamt – aber für mich gibt es nur EIN Zuhause.
Vielleicht wissen die Richter selber nicht, was in so einer Pflegefamilie oder so einem Heim abläuft. Ich weiß, wie es wirklich ist, aber wer glaubt mir schon?

Und jetzt stehe ich wieder da, bin weggelaufen und der Richter hat wieder entschieden: zum Wohl, zum Wohl des Kindes.

judgeSpruch des Tages - (Sprüche 17,15)
Wer Schuldige freispricht und wer 
Unschuldige verurteilt,
beide sind dem Herrn ein Gräuel.