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Heute Abend bekamen wir einen Anruf von unserer aufgeregten Tochter Nechonah (12 Jahre alt). Sie war gerade zusammen mit ihrer Freundin – auch eine Pflegetochter – von ihrer Pflegefamilie weggelaufen. Sie haben es beide nicht mehr ausgehalten. Wie ein Wasserfall hat Nechonah uns alles am Telefon berichtet.

Seit Wochen wurde sie jetzt mit zunehmender Häufigkeit von der Pflegemutter angeschrien.

Sie konnte ihr nichts mehr recht machen. Oft wurde sie ganz unerwartet angeklagt, dass sie schon wieder etwas falsch gemacht hätte. Ihre Briefe wurden gelesen. Sie musste heimlich Briefe schreiben und heimlich in ihrer Bibel lesen. Auch andere Lektüre, die mit ihrem Glauben zusammenhing, durfte sie nicht lesen. Es war ihr nicht erlaubt, das Jugendamt anzurufen, sie konnte keinen Kontakt zu ihren alten Freunden haben.

Einmal hat die leibliche Tochter sie geschubst und geschlagen und die Mutter hat nichts gemacht. Später wurde sie dann bei ihren Freundinnen deswegen lächerlich gemacht.

Sie musste viel putzen, ohne dass die Pflegemutter sie dafür anerkennen würde. Sie fühlte sich wie eine Sklavin in der Familie. Ihr Bruder Rea wurde in zunehmendem Maße in der Schule ausgeschlossen. Vor ein paar Tagen, auf dem Rückweg vom Sportunterricht, hat eine ganze Clique von Mitschülern ihn gezwungen eine Zigarette zu rauchen. Er hat sich gesträubt, aber die Jungs haben ihn geschlagen und verspottet.

Auch hatte die Familie viel Geld bekommen, um sich um die Pflegekinder zu kümmern, aber Nechonah meinte, dass sie sich kaum um ihre Bedürfnisse gekümmert hätte, sondern das Geld benützte, um ihr Haus abzubezahlen.

Seit der Wegnahme am 5. September hatten wir kaum Kontakt zu unseren Kindern. Wir wollten wissen, wie es ihnen geht und wo sie sind.

Öfter hatten wir das Jugendamt darauf angesprochen, aber immer wurden wir zurückgewiesen.

Nach 6 Wochen konnten wir unsere Kinder zum ersten Mal wiedersehen. Rea hat öfter gesagt, dass er uns etwas Persönliches sagen möchte, aber er hatte Angst. Alle Telefonkontakte fanden unter Aufsicht statt und so auch dieser Besuch. Er fühlte sich nicht frei sich auszusprechen. Auch beim nächste Telefonkontakt wollte er uns etwas Persönliches sagen, aber er sagte mir wieder: „Da hört jemand mit!“

Nechonah schrieb in ihren Briefen, dass sie nur heimlich in der Bibel lesen konnte und auch nicht frei über ihren Glauben sprechen konnte. Einmal schrieb sie heimlich einen Brief an ihre Freundin. Es befremdete uns und wir bekamen den Eindruck, dass es unseren Kindern dort nicht gut ging. In dieser Zeit fing die Pflegemutter an sich öfter über uns zu beschweren. Wir sollten unsere Kinder nicht beeinflussen. Ich wusste nicht, was sie damit meinte, weil wir ja kaum Kontakt zu ihnen hatten.

Wir machten uns große Sorgen. Beim Jugendamt fühlten wir uns aber nach wie vor nicht gehört.

Daraufhin haben wir uns vorgenommen Nechonah an ihrer Schule zu besuchen.  Wir wollten rausfinden, was mit ihr los ist. Dies wurde vereitelt. Eine Minute, nachdem wir Nechonah getroffen hatten, kam schon die Pflegemutter. Sie wollte Nechonah abholen. In dieser einen Minute erzählte unsere Tochter wieder, dass sie nicht frei ist. Wir steckten ihr ein Handy zu, damit sie uns später alles in Ruhe erzählen könnte. Die Pflegemutter war sehr aufgeregt.

Beim nächsten Besuch waren wir über den Gesundheitszustand unserer Kinder sehr schockiert. Rea, unser Sohn, hatte einen schweren Herpesausschlag und auch Nechonah hatte ein paar Stellen im Gesicht, die mit Herpes infiziert waren. Sie hatte dazu auch noch Scharlach und Pfeiffersches Drüsenfieber. Am Ende unseres Besuchs, als wir Nechonah der Pflegemutter zurückgaben, hat Nechonah sich beschwert, dass sie einmal gezwungen wurde Leber zu essen, was nach unserer Tradition kein Lebensmittel ist.Die Pflegemutter ist dann explodiert und hat Nechonah angeschrien, dass sie nicht so unverschämt lügen solle. Wir haben versucht die Pflegemutter zu beruhigen. Wir dachten, dass es sich einfach um ein Missverständnis handelte. Jetzt hat sich rausgestellt, dass sie Nechonah wirklich zwingen wollte.

Zwei Tage später hat das Jugendamt unseren Sohn Rea plötzlich zu einer anderen Pflegefamilie gebracht. Er hat sich nicht von seiner Schwester verabschieden können. Niemand hatte ihn vorgewarnt. Er war mehrere Tage lang in einem Schockzustand. Jetzt hat er sich langsam beruhigt.

Bisher waren unsere Kinder frei, geborgen und glücklich. Wer wird jetzt für diese Misshandlungen die Verantwortung übernehmen?

Morgen gehen wir zur Richterin R., um all diese Dinge ans Licht zu bringen.

Wird sie uns anhören?