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Bericht von Augenzeugen

Es ist Nachmittag, der 8. November 2013. Der Polizeibeamte legt seinen Finger auf das Guckloch an der Haustüre und drückt den Klingelknopf. Nichts ahnend wird die Türe geöffnet und die beiden Polizeibeamten kommen in die Wohnung und überbringen die Schreckensnachricht, dass sie gekommen sind, um Eva und Merea abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Eva greift zum Handy und ruft ihre Eltern an, die unterwegs sind. Die Eltern sprechen mit den Polizeibeamten und versuchen, sie dazu zu bringen, bis zur Ankunft zu warten – erfolglos! Die Eltern informieren telefonisch ihren Rechtsanwalt in Bern. Der konnte allerdings am späten Freitagnachmittag nichts mehr ändern. Die zuständigen Behörden waren nicht mehr erreichbar.

Das war wieder „typisch Jugendamt“, knapp vor dem Wochenende zuzuschlagen.

Eva verweist die Beamten darauf, dass sie Schweizerin ist und nicht ausgeliefert werden darf – sie wird nicht gehört! Die Beamten legen einen „Kammerentscheid“ von der KESB (Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde) Oberaargau vor, in dem die Kantonspolizei Bern beauftragt wird, Eva und Merea abzuholen und an der deutschen Grenze der deutschen Polizei zu übergeben. Als Begründung wird angegeben: „Auf Grund der grossen Fluchtgefahr der Kinder und ihrer Gefährdungslage,“ und „Aufgrund der vorliegend durch die erhebliche Kindeswohlgefährdung begründete Dringlichkeit wird die Anerkennung und Vollstreckung super-provisorisch verfügt.“ Dabei sind die Kinder Merea und Eva schon im Oktober bei der Einwohnerbehörde angemeldet worden. Mit der KESB standen die Eltern in Kontakt und ein erster Gesprächstermin war für den Montag, 11.11.2013 um 14:00 Uhr vereinbart. War das nur ein Trick oder Irreführung? Es läuft darauf hinaus, dass Eva schreiend gegen ihren Willen von den Polizeibeamten zum Auto getragen wird. Merea klammert sich schreiend an die Großmutter, doch auch sie wird mitgenommen. Die Eltern folgen dem Polizeiauto und rufen Eva auf dem Handy an und sprechen während der Fahrt mit den Polizeibeamten und versuchen eine Übergabe an die deutsche Polizei zu verhindern – ihrem Bitten wird nicht nachgegeben! Die Eltern rufen den Anwalt an und versuchen auch selber, die Behörden zur Rücknahme der Auslieferung zu bewegen – erfolglos, es ist Freitagnachmittag! Die Schweizer Polizeibeamten fahren über die Grenze und halten beim deutschen Zoll an. Die Eltern sprechen erst mit den Schweizer und dann mit den deutschen Polizeibeamten und bitten und flehen, dass die Kinder doch bitte wieder in die Schweiz zurückgeschickt werden – ohne Erfolg! Es ist etwa 17:00 Uhr und alles, was bleibt, ist, den deutschen Polizeibeamten zur Dienststelle zu folgen. Dort wird den Eltern erlaubt, zusammen mit ihren Kindern auf dem Flur zu warten. Das Warten zieht sich über Stunden hin, bis endlich um 21:20 Uhr die 2 Männer und 3 Frauen vom Jugendamt aus Donauwörth eintreffen. Eva und Merea sagten uns, mitten in diesen dramatischen 7,5 Stunden, dass sie trotzdem für die 3 Wochen dankbar sind, die sie mit uns Eltern verbringen konnten. Es habe sich trotz der schmerzvollen Trennung gelohnt, denn die Zeit des Getrenntseins ist eine Zeit des Schmerzes und der Qual. Die Eltern haben noch einmal versucht, sich gegenüber den Jugendamtmitarbeitern und 2 Polizeibeamten für eine Freilassung von Eva und Merea einzusetzen. Doch wieder ohne Erfolg. Die Jugendamtmitarbeiter ließen sich weder von den weinenden Kindern noch von den Eltern und auch nicht auf Anraten der einsatzleitenden Polizeibeamten davon abhalten, die beiden Mädchen voneinander zu trennen. Die Eltern wurden von Polizeibeamten zurückgehalten, bis die Kinder gegen ihren Willen zu den Fahrzeugen hinausgeführt wurden. Die beiden Autos vom Jugendamt werden kurz vor 22:00 Uhr direkt vor den Eingang geparkt, es wird die Kindersicherung der Türen kontrolliert. Dann kommen die beiden Mädchen mit Bewachern aus der Polizeidienststelle heraus und werden voneinander getrennt. Eva ist laut zu hören: „Ich will nicht wieder nach Deutschland.“ Sie wird in den weißen Mercedes gedrängt und ihre kleine Schwester in das andere Auto. Dann werden die Türen geschlossen und die Autos fahren los. Die Eltern durften nicht mit hinauskommen. Kurze Zeit später kommen die Eltern in Begleitung eines Polizeibeamten, der sichtlich betroffen ist, heraus. Der Polizeibeamte bedankt sich bei den Eltern dafür, dass sie in dieser Extremsituation nicht die Kontrolle verloren haben. Das verdient Respekt. Weiter ermutigt er die Eltern, einen Anwalt zu beauftragen und den Rechtsweg auszuschöpfen. Fazit: Jeder tut seine Pflicht, führt seinen Auftrag aus, alle haben auch Verständnis für die Kinder und die Eltern, die sich offensichtlich lieben, aber niemand ist bereit danach zu handeln, was er spürt. Jeder versteckt sich hinter seinem Auftrag und tut nur seinen Job. Der Job und der Gehorsam sind den Deutschen heilig und den Schweizern auch. Im Nachhinein wundern sich viele: „Wie konnte das nur geschehen?“ Wenn jeder „nur seine Pflicht tut“, dann verliert die Gerechtigkeit dabei mehr und mehr ihre Stimme.

Zivilcourage ist sowieso ein Fremdwort und wird immer seltener benutzt und vielleicht schon bald verboten