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Als ich heute aufwachte, wusste ich genau, was ich heute machen werde. Vor ein paar Tagen, hatte ich Merea erzählt, dass ich irgendwann gehen werde weil ich nicht mehr in der Schule bleiben kann und will. Ich weiß nicht wie ich das meinen Pflegeeltern erklären kann und will so wie so keine andere Schule besuchen.
Niemand hat mich gehört bzw. hören wollen. Ich habe meine Meinung und mein Wunsch jedem mehrmals ausgedrückt, aber warum wurde ich nicht gehört? Die Richterin hat mich nicht hören wollen, als ich angehört wurde. Auch das Jugendamt und Verfahrensbeistand hatten kein Ohr für mich.

Dann habe ich als letzte Hoffnung ein Brief zur Bundeskanzlerin Merkel geschrieben, mit der Hoffnung dass sie zumindest antworten würde. Der Brief blieb bis zum heutigen Tag unbeantwortet.

Ich kann hier nicht legen, wenn ich nicht gehört werde! Ich sehe nicht ein, dass jemand sagt dass er mich rettet und dann hört er mich nicht-mal an und meine Wünsche interessieren niemandem!

Ich war ein freier Mensch und jetzt werde ich gefesselt…

und gezwungen eine Schule zu besuchen, in der ich meine Zeit vertreiben muss!!! Ich wurde von meinen Eltern beschützt und behütet, jetzt werde ich in einem Haufen Scherben geworfen und jeglicher Schutz wird mir weggerissen. Ich soll die Welt sehen… und meine Reichweite ist so klein wie noch nie! Sechs Wochen lang fahre ich jeden Morgen nach Ansbach und zurück. Mir wird Freiheit versprochen aber ich werde in ein Gefängnis geführt! Ich fühlte mich immer wie ein freier, junger Löwe. Und jetzt soll ich irgendwelchen Leuten, denen es gar nicht um mich persönlich geht, in den Zirkus folgen? Und dort soll ich frei sein in meinem 2 Meter Durchmesser Käfig, meine Runden drehen müssen? Ich werde dort bloß ausgenützt, wie alle anderen in diesem Zirkus! Es ist Neid, welcher Menschen dazu führt solche Dinge zu tun! Ich haben keine Kraft mehr im Käfig zu kämpfen und vielleicht hilft es letztendlich Jonathan mehr, wenn ich den ersten Schritt tue, dass er auch schneller raus kommt. Ich denke mir, dass wenn wir von vorne wieder anfangen würden, dann wüssten wir wie wir handeln müssen und niemand hätte eine Chance uns zurück zu holen. Vielleicht würden sie sogar aufwachen und merken wie verrückt sie sind – zwei Mädchen mit 100 Polizisten, gegen ihrem Willen, abzuholen! Naja, leider ist das alles nur ein Traum. In Wirklichkeit bin ich so schwach und klein und meine Feinde sind so groß und stark. Aber wenn Gott es will, wird er es uns zumindest erlauben wegzurennen. Merea wollte mit mir kommen. Ich sagte ihr, sie muss von ihrer Schule aus zum Bahnhof laufen, anstatt in den Bus zu steigen um nach Hause fahren. Danach müsse sie nur in den nächsten Zug, der anhält, einsteigen. Eigentlich hatten wir schon eine ganze wochenlang geplant abzuhauen und Merea fragte mich jeden Tag wann wir es endlich machen. Ich schob es immer wieder aus wegen Jonathan. Ich musste jedesmal weinen, wenn ich darüber nachdachte ihn zu verlassen. Als ich meinem Vater gesagt habe, was wir vorhaben, war er aufgebracht darüber und uns gesagt, dass wir das NICHT machen sollen. Es könnte auch gefährlich sein. Sechs Wochen sind nun vergangen, nachdem wir von unseren Eltern, gegen unserem Willen, getrennt wurden. Die Richterin hat selber gesagt, dass kein Ende in Sicht sei! Wir entschieden, dass heute der Tag ist, wo wir endlich fliehen können. Merea und ich machten unsere letzten Pläne. Es dauerte sehr lange bis Jonathan einschlief. Er schlief sehr unruhig und wachte am morgen sehr früh auf. Ich fühlte mich schlecht, aber ich wollte es machen. Kurz darauf, musste ich in die Schule fahren. Ich hatte den ganzen morgen geplant krank zu sein und dann vor der großen Schule entschuldigt zu werden. Von dort könnte ich nach Dombühl fahren und mit Merea mit dem Zug weiterfahren. Unser Ziel war, noch vor der Nacht in der Schweiz anzukommen. Als ich in Dombühl ankam, kaufte ich für uns beide, ein Ticket und wartete auf Merea. Unser Zug fuhr um 13:24 Uhr ab. Merea’s Schule war um 13:05 Uhr aus und ich hoffte dass sie es noch schaffen würde, weil es bis zum Bahnhof ein längerer Weg wäre. Als Merea mich von weitem sah, fing sie an zu rennen. Sie war so froh und aufgeregt, dass wir endlich es schaffen abzuhauen. Als wir in den Zug stiegen und los fuhren, fühlten wir uns befreit. Wir wollten nie wieder zurück. Uns schienen es wären Ewigkeiten vergangen, als wir in beim nächsten Bahnhof ankamen. Von dort aus, fuhren wir mit dem Zug in Richtung Zürich, Schweiz. Meine kleine Schwester wurde sehr ungeduldig im Zug und jedes mal als er anhielt, fragte sie wann wir doch endlich aussteigen. Der Tag war sehr lang geworden und dann stiegen wir auch irgendwann aus. Wir sind sicher in der Schweiz angekommen! Das war unser Ziel, weil wir eigentlich Schweizer Bürger sind und hier uns weiterhin sicher fühlen wollen. Wir hoffen hier, von den Behörden gehört zu werden und hoffentlich immer mit unseren Eltern bleiben zu dürfen.